Aufregung um altes Bio-Heft mit «Rassenlehre»

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Autor: DPA

In Sachsen hat ein veraltetes Biologie-Lehrheft über die «Rassenlehre des Menschen» für Wirbel gesorgt. Die Grünen hatten in einer Kleinen Anfrage kritisiert, dass im Biologie-Unterricht an einer Oberschule im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die «Rassenlehre des Menschen» thematisiert worden sei und Aufklärung verlangt. Nach eigenem Bekunden hatten die Grünen Hinweise von Eltern erhalten.

In dem umstrittenen Lehrmaterial für die 10. Klasse sei etwa von «negriden, mongoliden und europäischen Rassenkreisen» die Rede, hieß es. Schüler hätten etwa typische Hautfarben, Nase- und Gesichtsformen zuordnen müssen. Zuvor hatten verschiedene Medien berichtet.

Laut Kultusministerium handelt es sich um das Themenheft «Naturwissenschaft Biologie, Chemie, Physik - Farben» aus dem Jahr 1998. «Bei 1 400 Schulen, über 20 000 Klassen und noch viel mehr Schulbüchern handelt es sich hier um einen bedauerlichen Einzelfall», sagte eine Sprecherin am Dienstag. Die Inhalte des Themenheftes würden nicht vom Ministerium unterstützt.

Zugleich verwies die Behörde auf die Eigenverantwortung der Schulen bei der Auswahl der Lehrmittel. In Sachsen müssen nur Schulbücher für die Fächer Religion und Ethik zugelassen werden. Bei allen anderen zulassungsfreien Materialien wählen die Schulen aus dem Sortiment der Verlage aus, hieß es. Der Schulleiter der betreffenden Oberschule habe die alten Unterrichtsmaterialien mittlerweile entfernt.

Bis 2004 tauchte der Begriff «Menschenrassen» noch als Bestand des Lehrplans im Fach Biologie auf. Der Begriff wurde in den neuen Lehrplänen gestrichen, seither ist das Thema «Evolution des Menschen» verpflichtender Inhalt im Biologie-Unterricht der 10. Klasse - mit Fokus auf den Gemeinsamkeiten der Menschen.

Erst 2018 widmete sich das Deutsche Hygiene-Museum in einer vielbeachteten Ausstellung dem Thema Rassismus. «Rassismus ist eine menschenfeindliche Ideologie und gleichzeitig eine alltägliche Praxis, durch die viele Menschen unter uns mit Diskriminierung und Gewalt konfrontiert sind», hatte das Museum die Schau seinerzeit angekündigt.

Aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Aussehens, ihrer Religionszugehörigkeit oder ihrer Sprache würden Menschen immer wieder erniedrigende Erfahrungen machen, die für andere Teile der Bevölkerung nur schwer vorstellbar sind. Kuratorin Susanne Wernsing stellte von Anfang an klar: «Es gibt keine Rassen. Rassen sind eine Erfindung des Menschen. Sie hat immer mit Abgrenzung zu tun.» (DPA)