Messerangriff in Bischofswerda - 16-Jähriger wollte offenbar seine ehemalige Schule anzünden
Die Ermittlungen nach der Amoktat eines 16-Jährigen in einer Grundschule in Bischofswerda werden heute vor Ort fortgesetzt. Kriminaltechniker suchen nach weiteren Spuren. Dabei werden sie von der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes Sachsen unterstützt. Täter und Opfer hätten noch nicht vernommen werden können, sagte uns Polizeisprecher Maximilian Funke. Der Zustand des achtjährigen Jungen, der von dem Angreifer mit einem Messer schwer verletzt wurde, sei inzwischen stabil. Es bestehe keine Lebensgefahr mehr. Der Täter hatte sich nach dem Angriff angezündet, er befindet sich in einer Spezialklinik in Leipzig und wurde dort ins künstliche Koma versetzt.
Gestern wurden Lehrer, Schüler und andere Zeugen befragt. Nach unseren Informationen gelangte der Angreifer in einer Hofpause in das Schulgebäude. Er hatte vermutlich vor, die Schule anzuzünden. Die Polizei stellte mehrere Flaschen mit einer brennbaren Flüssigkeit (vermutlich Spiritus) und Feuerzeuge sicher. Dem Achtjährigen begegnete er offenbar zufällig. Der Grundschüler wurde durch Messerstiche schwer verletzt auf einer Toilette gefunden. Vermutlich beim Versuch, den Brand zu legen, soll der 16-Jährige sich selbst angezündet haben. Es handelt sich laut Polizei um einen ehemaligen Schüler der benachbarten Oberschule. Der Hausmeister soll den brennenden Jugendlichen gelöscht haben. Kurz darauf wurde er festgenommen. Sein Motiv ist noch unklar. Also: Warum wollte er seine ehemalige Schule anzünden?
Nachdem gestern Vormittag Amokalarm ausgelöst worden war, wurde das Schulgebäude evakuiert. Schüler und Lehrkräfte liefen auf den Schulhof. Sie wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut, ebenso herbeigeeilte Eltern.
Normalen Unterricht gibt es heute nicht. Die Schule werde aber öffnen und alle Schüler empfangen. Wer lieber zu Hause bleiben möchte, könne dies tun, erklärte Kultusminister Christian Piwarz. Er reagierte mit Bestürzung auf die Tat. Seine Gedanken seien bei dem verletzten Kind und der Schulgemeinschaft, sagte uns sein Sprecher. Mit der Schule und dem Landesschulamt gebe es intensive Gespräche, um die Situation gemeinsam zu bewältigen. Dabei gehe es unter anderem um den Einsatz von Schulpsychologen.
Nach der Messerattacke ist die Welle der Hilfsbereitschaft groß. Über eine Crowdfunding-Plattform haben Angehörige und Freunde des Opfers heute eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Innerhalb nur weniger Stunden waren bis zum Nachmittag bereits knapp 9.000 Euro zusammengekommen. Über 400 Spenden gingen ein. Das Geld soll der betroffenen Familie zugutekommen, damit sie das Erlebte ohne finanzielle Not verarbeiten kann. Spendenziel sind 15.000 Euro.






