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  • Die industriell hergestellten Chemikalien, sogenannte PFAS, können durchs Wasser in den menschlichen Körper gelangen und sind gesundheitsschädlich

Wie kamen die Krebs-Chemikalien in Brunnen und Teiche?

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Es begann mit verseuchten Spiegelkarpfen im Waldbad Weixdorf und einem Angelverbot im letzten Jahr. Seitdem nimmt das Umweltamt der Stadt die Gewässer und Brunnen im Dresdner Norden besonders unter die Lupe und legt nun neue Messwerte der sogenannten „Ewigkeitschemikalien“, PFAS, vor. Das sind langkettige Kohlenstoffverbindungen, die nicht in der Natur vorkommen, sondern nur in industriellen Verfahren künstlich hergestellt werden und aber de facto ewig bestehen. Gelangen sie aber ins Grundwasser, sind sie dort kaum abbaubar und in zu hoher Dosis gesundheitsschädlich.

Im Fokus der Analysen stehen die Stoffgruppen PFAS-20 und PFAS-4, die laut Trinkwasserverordnung dieses Jahr einen Grenzwert nicht über 0,1 µg pro Liter ausweisen dürfen.

Weit über dem Grenzwert 

Der lag im Ziegeleiteich und Ziegeleiteichgraben jedoch um das Zehnfache höher mit teils über 1 µg/l, sowohl im Oberflächenwasser als auch im Sediment. Auch in Brunnen im direkten Umfeld wurden PFAS im Grundwasser festgestellt. Auffällige, jedoch geringere Befunde gab es auch im Seifenbach, Brueghel-Teich, Dornbuschgraben sowie die Teichkette Weixdorf. In allen übrigen untersuchten Gewässern bewegen sich die PFAS-Konzentrationen deutlich darunter, im Nanogramm-Bereich.

Verbindung zur Industrie?

Das Umweltamt geht von „einem örtlich begrenzten Schadensbild“ aus. Die Ursachenermittlung dauert an und erfolgt schrittweise durch weitere gezielte Untersuchungen, unter anderem zu möglichen Gewässereinleitungen. Die vielseitige Verwendung von PFAS-Chemikalien in der Industrie, bei der Brandbekämpfung, der Landwirtschaft sowie in Textilen und Haushaltsprodukten macht die Suche nach dem Verursacher der Gewässerverunreinigung schwierig. 

Dem Umweltamt sind weiterhin keine Havarien oder Störfälle bekannt, die Ursachenermittlung geht weiter. Erst wenn Ausmaß und Ursachen bekannt sind, könnten geeignete Sicherungs- oder Sanierungsmaßnahmen festgelegt werden, so die Stadt. 

Auch ein Zusammenhang mit den Halbleiter-Firmen im Dresdner Norden wird geprüft. Umweltamtsleiter Rene Herold: „Das kann zusammenhängen, das ist nicht unwahrscheinlich. Es sind industriell hergestellte Substanzen. Und die Anlieger, mit denen die Ursachenforschung erfolgt, sind dort oben (im Dresdner Norden, d.R.) natürlich zum großen Teil Industrie.“ 

Gießen verboten

Um Gesundheitsschäden abzuwenden, verbietet das Umweltamt die Entnahme von Grund- und Oberflächenwasser zum Gießen. Eine entsprechende Allgemeinverfügung wird derzeit erarbeitet. Die Chemikalien könnten so in Obst und Gemüse gelangen und sich über den Verzehr dann im menschlichen Körper ablagern. Dort können sie langfristig zu erhöhten Cholesterinwerten, beeinträchtigter Nierenfunktion, Veränderungen der Schilddrüsenhormonspiegel und erhöhtem Krebsrisiko führen. 

Die EU diskutiert daher ein weitreichendes Verbot, einige Einzelsubstanzen wurden bereits verboten. Wo keine Grenz- oder Orientierungswerte überschritten sind, können Böden und Gewässer weiterhin genutzt werden.

Das PFAS-Vorkommen im Waldbad Weixdorf liegt deutlich unter den Werten des Ziegeleiteichgrabens. Deswegen steht einem Betrieb der Badestelle dieses Jahr erstmal nichts entgegen, so die Stadt. Auch Wassersport für Vereine ist möglich. 

Trinkwasser unbedenklich

Umweltamtschef Herold betont aber auch: „Wer sein Trinkwasser von der Drewag bezieht, braucht sich keine Gedanken zu machen. Dort werden die Grenzwerte eingehalten.“

Brunnenbesitzer müssen testen

Für private Brunnen gelten neue Untersuchungs- und Meldepflichten: Nach der aktuellen Trinkwasserverordnung müssen Brunnen einmal jährlich untersucht werden, jetzt auch auf PFAS-20. Werden Grenzwerte überschritten, muss dies dem Gesundheitsamt gemeldet werden.
Für die regelmäßige Kontrolle der Brunnen sind die Eigentümer verantwortlich. Sie sind gesetzlich verpflichtet, die Ergebnisse spätestens bis zum Ende des laufenden Kalenderjahres (31. Dezember 2026) an das Gesundheitsamt zu melden. 

Die Stadt Dresden stimmt sich derzeit mit dem Gesundheitsministerium des Freistaates über die weitere Nutzung der Brunnen ab. 

Audio:

Umweltamtsleiter Rene Herold erklärt die Chemikalie