- Michael Hauck (Freie Bürger), Heike Ahnert (CDU) und Holger Zastrow (Team Zastrow, v.l.n.r.) wollen wieder eine vierspurige Carolabrücke zurück haben
- Diesen Denkansatz (einer zweistöckigen Brücke für Autos und Fahrräder) will die CDU den Planern mit auf den Weg geben
Streit um Carolabrücke: Ein Trio für vier Spuren
Zwei, drei oder vier Spuren - darüber geht die Diskussion in der Stadt gerade weit auseinander. Wie soll der Ersatzneubau - zumindest darin sind sich die Mehrheit der Stadträte einig - aussehen?
Die Stadt lässt die genau Anzahl der Spuren, die über die zukünftige Brücke führen sollen, offen. Planer sollen „anhand der Verkehrsprognosen“ ermitteln, wie viele Spuren es braucht. Doch die Zahlen sind klar: Vor zwei Jahren rollten noch 30.500 Fahrzeuge/Tag über die Brücke, in zehn Jahren sollen es nur noch 23.500 sein. Alles liefe so auf eine zwei- bis dreispurige Brücke hinaus.
Die Brücken-Wünsche im Einzelnen
Da könnte die SPD mitgehen. Stadtrat Stefan Engel: „Wir wollen eine Brücke, die den zukünftigen Verkehrsaufkommen Rechnung trägt. Eine vierspurige Brücke würde durch den zusätzlich anzulegenden Radweg noch breiter. Die bisherige ist ja schon 33 Meter breit.“ Auch soll eine schmalere Brücke Platz für ein Wohnquartier am Terrassenufer/Steinstraße schaffen, das wünschen sich zumindest die Sozialdemokraten in ihrem Stadtratsantrag.
Doch CDU, FDP und Team Zastrow legen mit einem eigenen Papier nach, über das ebenfalls in der Ratssitzung am 19. Juni abgestimmt werden soll. Klare Kante: „Vier Spuren und einen Schlussstrich unter die Debatte“, sagt Holger Zastrow. Auch die Wirtschaft wolle eine leistungsfähige Brücke, ergänzt Michael Hauck (FB/FDP). Und die CDU traut den Verkehrsprognosen, die die Stadt zum Rückbau der Brücke anführt, nicht: „Wir wissen alle nicht, wie sich der Verkehr in Zukunft entwickelt. Wir wissen, dass Dresden auf jeden Fall wächst, z. B. durch die Industrieansiedlungen im Norden“, so CDU-Fraktionschefin Heike Ahnert. Zudem könnte perspektivisch auch eine Spur für autonomes Fahren gebraucht werden, so Ahnert weiter.
Verhilft die AfD zur Mehrheit?
Zusammen hat das Trio aber noch keine Mehrheit im Stadtrat. Deswegen führt Zastrow schon „intensive Gespräche mit der AfD“. Man habe bereits einen gemeinsamen Antrag für eine Behelfsbrücke mit der AfD gestellt, der im Stadtrat jedoch abgelehnt wurde. Die CDU redet „mit allen“ und stellt ihre „eigene Position zur Abstimmung“. Wer der folgen kann, bitte ...
Umweltverbände und der Studentenrat der TU Dresden können dem ganz und gar nicht folgen. Sie fordern unter dem Motto „Platz für Menschen statt teure Autobahn“ eine zweispurige Brücke. Dafür demonstrieren sie heute ab 17 Uhr am Terrassenufer.
Unterstützung für Doppelstock-Brücke
Eine Bau-Variante zur neuen Brücke hat die CDU allerdings schon von einem Experten prüfen lassen: die Doppelstock-Brücke. „Oben führen die Autospuren entlang und der Radweg wird unter der Fahrbahn geführt. Von der Höhe für die Schifffahrt und die Sichtachse zur Altstadt würde es den Platz geben, wurde uns vermittelt. Das wäre doch mal eine charmante Lösung“, so Ahnert.

