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So hoch wird Deutschlands erstes Holz-Hochhaus in Leipzig

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Es ist wohl das ambitionierteste Hochbauprojekt, das Sachsen seit Langem hatte. Und wenn es ganz aus Holz gelingt, ist es eine Deutschland-Premiere!

Das Leipziger Büro S&P Gruppe plant in der Messestadt ein ganzes Hochhaus aus Holz! In Hamburg wurde letztes Jahr feierlich ein ähnliches Holzhochhaus in der Hafen-City eröffnet. Das „roots“ (engl. Wurzel) wurde jedoch um einen aussteifenden Betonkern in der Mitte herum gebaut. Zudem ist die Außenfassade zum Schutz verglast.

Das Leipziger Hochhaus soll nach Möglichkeit - bis aufs Erdgeschoss - komplett aus Holz entstehen. Auftraggeber ist die Leipziger Wohnungsbaugenossenschaft „Kontakt“, die das Holzhochhaus in Paunsdorf - einem Neubaugebiet mit traditionellen Hochhäusern - verwirklichen will.

„Es hat 18 Geschosse, ist 62 Meter hoch und bietet Platz für 126 Zwei- bis Vier-Raum-Wohnungen“, erklärt Architekt Wolfram Mohr im Rahmen der 3. Sächsischen Holzbautage, die Ende April in Dresden stattfanden. Nur das Erdgeschoss wird aus Stahlbeton gebaut (ebenso wie in Hamburg). Das ginge zwar auch in Holz, hat aber mit Witterungseinflüssen und der Lastabtragung in den Boden zu tun, so Mohr. Doch ab dem ersten Stockwerk ist alles aus Holz - Wände, Böden, Decken (aus Holz-Beton-Gemisch) und auch die Träger im Gebäude sind aus sogenannter „Bau-Buche“.

Holz kann viel mehr

Damit soll dem Baustoff zum einen wieder neues Leben eingehaucht werden und sein Potenzial aufgezeigt werden. Zum anderen hat Sachsen genug davon, nutzt es aber noch zu wenig„, so Sören Glöckner, Geschäftsführer des Holzbau-Kompetenzzentrums Sachsen. Immerhin über 1 Million Kubikmeter Schnittholz exportiere Sachsen jedes Jahr. Im Freistaat selbst wird schon jedes fünfte Einfamilienhaus in Holz errichtet. Bei mehrstöckigen Gebäuden liegt der Anteil jedoch nur bei 3 Prozent.

Mohr: “Aus der Praxis wissen wir, dass es noch viele Bedenken gibt gegen den Baustoff Holz. Und gerade an so einem Extrem-Beispiel Holzhochhaus möchte man untersuchen, was heute schon geht mit Holz, um zu zeigen, dass die Möglichkeiten schon weitergehen als es unsere Vorschriften zulassen.„ Denn die besagen eigentlich: Ab 22 Metern Höhe dürfen Gebäude in Deutschland nicht mehr aus Holz gebaut werden! 

Es werden also sprichwörtlich dicke Bretter gebohrt für das Pilotprojekt ...

Sondergenehmigung nötig

Das Leipziger Planungsbüro arbeitet deshalb bereits eng mit der Landesdirektion und den anderen Zulassungsbehörden sowie der Gesellschaft für Materialforschung und Prüfungsanstalt für das Bauwesen Leipzig mbH (MFPA) zusammen. Nachweise über Statik und Brandschutz müssen nicht nur auf dem Papier vorgerechnet, sondern auch in experimentellen Aufbauten nachgewiesen werden. Gut möglich, dass die Bauherren dann bei einzelnen Teilen doch auf Holz verzichten müssen. “Aber wir wollen so viel wie möglich davon verwenden„, so Mohr.

Wichtig sei auch, dass man an der Außenfassade den Baustoff Holz erkennen könne. Da die aber ja brennbar wäre und das der Brandschutz verbietet, haben sich die Architekten etwas ganz Besonderes ausgedacht. “Wir machen dort eine sogenannte Brandsperre, das ist eine auskragende Betonplatte„, erklärt Mohr. Die Balkon-ähnlichen Umläufe aus Beton würden im Ernstfall als Barriere gegen Flammen wirken, die aus einer Wohnung die Fassade emporschlagen. Zeitgleich könnte sie die Feuerwehr beim Löschen nutzen. 

Keine Sprinkler, trotzdem Brandschutz

Es soll auch im Haus auf Sprinkleranlagen verzichtet werden, da die bei einer Fehlfunktion das ganze Gebäude unter Wasser und damit durch das verwendete Holz dauerhaft unbrauchbar machen würden. Dafür wird sich “der erforderliche Feuerwiderstand voraussichtlich zwischen 90 und 120 Minuten bewegen„, so Mohr. Erreicht wird der durch eine Erhöhung des Querschnitts der tragenden Bauteile. 

Bauherr und Bund glauben jedenfalls an das Pilotprojekt. Die bisherige Bundesregierung hat schon Fördermittel in Millionenhöhe in Aussicht gestellt. Seit anderthalb Jahren wird an dem Pilotprojekt gearbeitet, mit der Baugenehmigung rechnet Mohr “in der zweiten Jahreshälfte„. Zu den Baukosten des Millionen-Projektes wollte sich der Architekt noch nicht äußern.

Wenn der Bau dann aber beginnt, geht's relativ schnell, da alle Holz-Stockwerke in Fertigteilen montiert werden. Krönender Abschluss ist dann am Obergeschoss der leuchtende Schriftzug des Projekts “Heiterblick„.

Audio:

Architekt Wolfram Mohr erklärt ausführlich das Holzhochhaus