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  • Ralf Minge, Direktor im Sportpark Ostra, ist auch Hausherr im Steyer-Stadion, in dem es nach der Eröffnung noch jede Menge Mängel gibt

Minge: Steyer-Stadion hat 1.800 Baumängel

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Es wurde vor nur zwei Monaten mit großem Tamtam eröffnet. Doch mittlerweile beherrschen nicht die sportlichen Leistungen, die im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion erkämpft werden, die Schlagzeilen, sondern die enorm gestiegenen Baukosten. Und nun auch eine Endlos-Liste von Baumängeln!

Bereits Anfang der Woche musste das Rathaus gegenüber den Stadträten einräumen, dass sich der Vorzeige-Bau nach jahrelangen Umplanungen von einst 38 auf nun 58 Millionen Euro erhöht hatte.

Der Stadtrat soll nach sechs Millionen Euro Zusatzkosten im Sommer nun weitere 4,7 Millionen Euro absegnen. Doch dabei wird es nicht bleiben. Denn wie Ralf Minge, Leiter des Sportparks Ostra, bei einer Stadionführung diese Woche kleinlaut einräumte: „Es gibt 1800 Baumängel im Stadion!“ Das gehe von Kleinigkeiten wie Kratzern in Türen bis zu gering bemessenen Parkplätzen, Toiletten, nicht funktionierender Solaranlage.

Audio:

Ralf Minge, Leiter des Sportparks Ostra

Die größten Mängel im Überblick

Anzeigetafel: Diese muss weiterhin gemietet werden, da das Stadion noch keine eigene hat. Ein Betonrahmen für die eigentlich geplante Tafel zeugt noch davon, dass sie viel zu klein bemessen wurde. Hintergrund: Das Stadion war ursprünglich mal mit 5000 Zuschauern geplant, hat jetzt rund 10.000 Sitze. Zur Ausrichtung von Top-Leichtathletik-Events nächsten Sommer muss sogar bis auf 15.000 Plätze aufgestockt werden (Veranstalter-Vorgabe).

Minge: "Natürlich braucht das neue Stadion dann auch eine adäquate Anzeigetafel, das ist in Arbeit, kann aber noch dauern." Denn die ca 80 Quadratmeter große LED-Tafel braucht statische Genehmigungen und Abnahmen, sie soll rund 240.000 Euro kosten. Das Geld sei in den Nachforderungen bereits eingepreist, so die Stadt. Die neue Anzeigetafel soll höchstwahrscheinlich oberhalb der Tribüne angebracht werden, die als einzige noch blaue Sitze hat. Auch diese sollen später nochmal getauscht werden, so dass das ganze Stadion in weiß-grünem Gestühl glänzt.

Toiletten: Die sind mit der Verdopplung der Stadion-Kapazität leider nicht mit verdoppelt worden. Heißt:Bei vollem Haus muss die Stadt regelmäßig "75 Toiletten und 36 Urinale mobil bereit stellen", so Sportbürgermeister Jan Donhauser gegenüber Radio Dresden. Nächstes Jahr soll eine dauerhafte Container-Lösung kommen.

Catering: Das selbe Problem wie bei den Toiletten. "Die Küchen sind die Schwachstelle. Zum Eröffnungswochenende des Stadions gab es viel zu lange Wartezeiten, sie sind viel zu klein dimensioniert, es gab keine mobile Versorgung. Dort gibt es Riesenreserven", räumt Minge ein. Auch bei der Vermarktung stecke man "noch in den Kinderschuhen". Es gäbe bisher weder einen festen Caterer noch Bier-Sponsor.

Solaranlage: Das Stadion rühmt sich, mit 750 Solarmodulen auf dem Dach (Gesamtleistung: 307 Kilowattstunden) besonders nachhaltig zu sein. Die Sonnenenergie soll unter anderem zur Kühlung der Eisflächen im Ostrapark genutzt werden. Nur ist die ganze Solaranlage noch nicht in Betrieb - es fehlt ein wichtiges Bauteil.

Tanzsaal: "Da wurde der falsche Boden eingebaut, da streiten sich noch die Verantwortlichen", so Minge.

Lautsprecher: "Auch die Akustikanlage muss nochmal verbessert werden", zählt Ralf Minge weiter vor den Mitgliedern des Presseclubs auf.

Eingangstüren: Die Glasschiebetüren am VIP-Eingang waren in den ersten zwei Monaten seit Eröffnung schon dreimal kaputt, bestätigt der Mitarbeiter am Empfang Ralf Minge auf Nachfrage. "Da standen wir vor verschlossenen Türen..."

Eine andere Nutzung als für Sportveranstaltungen - was auch die Baukosten teils wieder einspielen würde - könnte kritisch werden. Dresdens Konzertveranstalter hätten zwar alle schon angefragt. Aber zum einen müsse für ein Konzert die teure Tartanbahn abgedeckt werden, der Naturrasen würde in Mitleidenschaft gezogen. Alles Wiederherstellungskosten, die der Konzertveranstalter zahlen müsste. "Das wird schwierig, das wirtschaftlich abzubilden bei der begrenzten Zuschauerkapazität. Zumal es ja auch Konkurrenz-Standorte für Großveranstaltungen - wie zum Beispiel die Flutrinne - gibt", gibt Ralf Minge zu bedenken. Desweiteren darf der Lärmpegel nur fünfmal im Jahr abends überschritten werden.

Dafür ist das Geschäft mit Dauermietern offenbar ein Erfolg: Neben dem Dresdner Squash-Club, der Laufszene, Fechtern und mehrerer Sportballett-Gruppen soll bald auch die Uniklink ins Steyer-Stadion ziehen. "Sie bekommen Räume für eine Leistungsdiagnostik mit drei Sportärzten und kleinem OP-Saal", so Minge, der sich persönlich dafür eingesetzt habe. Insgesamt gäbe es 18 Anker-Mieter im neuen Stadion.