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Millionengrab Steyer-Stadion: Stadträte fordern Aufklärung

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Rechnungsprüfer haben jetzt detailliert nachgewiesen, warum beim Umbau des Heinz-Steyer-Stadions in Dresden die Kosten explodiert sind. Der geheime Bericht, der den Stadträten vorgelegt wurde, listet Missstände, Versäumnisse und Fehlplanungen auf. Radio Dresden liegt der Bericht des städtischen Rechnungsprüfungsamtes vor - 34 Seiten, die der eigenen Rathaus-Verwaltung kein gutes Zeugnis ausstellen. 

So wurden aus ursprünglich geplanten 37 Millionen Euro Baukosten am Ende stolze 58 Millionen Euro. Und dabei hat das sanierte Stadion sogar nach der Eröffnung noch über 1800 Baumängel gehabt, wie Ralf Minge, Sportdirektor des Ostra-Parks, im Herbst 2024 einräumte. Hauptursache: Das Stadion wurde ursprünglich mit nur 5800 Quadratmetern Nutzfläche geplant, sollte dann aber auf 11.000 Quadratmeter - bei nahezu gleichen Kosten - erweitert werden. So wurden unter anderem Betonstufen, Bestuhlung und Elektrotechnik wesentlich teurer. Allein für die Flutlichtanlage musste die Stadt 700.000 Euro mehr hinblättern. Die Anzeigetafel wurde vergessen und musste nachträglich für 250.000 Euro eingebaut werden. Dresden hat offenbar auch das einzige Stadion Deutschlands mit 9 Laufbahnen - acht wären für internationale Wettkämpfe nur vorgeschrieben. 

Dabei hat die Stadt selbst die meisten Mehrkosten verursacht. Eine „mangelhafte funktionale Leistungsbeschreibung“ kostete beim Bauen dann 3 Mio. Euro mehr. Der damalige Sport- und Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD) verursachte mit dem ihm untergeordneten Eigenbetrieb Sportstätten Nachforderungen von insgesamt fast 8,8 Mio. Euro. Dabei kritisierten die Rechnungsprüfer auch, dass der Bauherr (Eigenbetrieb Sportstätten) auch seine eigenen Kosten kontrollieren sollte. Die Doppelfunktion sei „problematisch“. 

Die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg schlugen in der Bauzeit des Steyer-Stadions zwischen 2021 und 2024 mit „nur“ 1,9 Mio. Euro Mehrkosten zu Buche. 

Prüfbericht veröffentlichen!

„Traurig und peinlich“ sagt Stadtrat Jens Genschmar vom Team Zastrow dazu und fordert, dass die konkreten Zahlen im Finanz- und Sportausschuss auf den Tisch gelegt und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. „Die anfänglichen Befürchtungen haben sich leider bestätigt. Dabei wurde uns immer wieder versichert, dass das Projekt im Kostenrahmen bleibt“, so Genschmar. Stattdessen mussten die Stadträte immer wieder Nachforderungen absegnen, die zu Lasten anderer Projekte gehen. So wurden 1 Mio. Euro für die Weiterentwicklung des Sportparks Ostra (Sportforum und Trainingseishalle) fürs Steyer-Stadion umgeschichtet, 290.000 Euro sollten eigentlich in den Umbau des Wassersportzentrums Cotta fließen. 

Genschmar: „Ich bin jetzt seit 20 Jahren Stadtrat in dieser Stadt. Es ist nur noch traurig, dass die Stadt bei städtischen Bauvorhaben wie dem Kulturpalast, dem Kraftwerk Mitte oder jetzt dem Steyer-Stadion die Kosten immer durch die Decke gehen. Andere Sachen müssen drunter leiden, wie im Sport die kleinen Sporttreibenden und die Stadträte haben jetzt wieder die Arbeit Geld zu finden, wie man dann die fehlenden Projekte wieder finanziert.“ 

Audio:

Stadtrat Jens Genschmar