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Südumfahrung Pirna:
Licht am Ende von Sachsens teuerstem Tunnel

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Es ist seit Jahren Sachsens teuerste Straßenbaustelle - doch es gibt Licht am Ende des Tunnels! Noch dieses Jahr soll der Rohbau des Kohlberg-Tunnels bei Pirna fertig gestellt sein. Er gehört zur 3,8 Kilometer langen Südumfahrung der Stadt, zu der auch eine 916 m lange Brücke gehört. Beides soll dann einen schnellen Weg ins Elbsandsteingebirge weisen. Wenn auch einen teuren!

„Wir rechnen derzeit weiterhin mit Baukosten von 236 Millionen Euro“, sagt Rüdiger Miertschink, Baubevollmächtigter der Deges (Bauherr ist der Bund). Macht auf 3,8 Kilometern also knapp 62.000 Euro für einen Meter Straße! Mit absehbaren, verbleibenden Kostenrisiken könnte die Gesamtsumme auch bei 250 Millionen Euro landen. Ursprünglich waren mal 97 Mio. Euro dafür eingeplant.

Doch der Bau, der im Sommer 2017 gestartet wurde, ist technisch anspruchsvoll und wurde durch Corona, die internationale Wirtschaftslage und Preissteigerungen immer wieder zurück geworfen. Bis Ende 2026 soll die Querverbindung zwischen der A17 und der B172 oberhalb des Pirnaer Sonnensteins nun fertig gestellt werden. Und das passiert alles noch dieses Jahr:

KOHLBERG-TUNNEL

Der Kohlberg ist nun auf 300 Metern untertunnelt. Nun werden die beiden Tunneleingänge verschalt und mit Sandsteinportalen versehen. Ein Betriebsgebäude für die Tunneltechnik wird errichtet, ein spezielles Löschwasserbecken und ein dazugehöriges Schadstoffbecken (das im Brandfall das Löschwasser wieder auffängt) errichtet. „Wir hoffen, das bis Mai, Juni abgeschlossen zu haben“, so Oberbauleiter Ulrich Gawlas. Danach folgt bis Oktober der Straßenbau im Tunnel mit Drainage, elektrischen Anschlüsse, Belüftung und danach die Schwarzdecke für den Fahrbahnuntergrund.

„Anfang nächsten Jahres kommt dann die ganze technische Ausstattung in den Tunnel und wird drei Monate im Probebetrieb gefahren“, so Gawlas weiter. So lange heißt der Tunnel übrigens offiziell noch Susann-Tunnel - nach der Patin des Bauprojektes, Susann Dulig, Ehefrau des früheren Wirtschaftsministers Martin Dulig. Mit Eröffnung der Strecke heißt der Tunnel dann auch offiziell Kohlberg-Tunnel.

GOTTLEUBATAL-BRÜCKE

Die Brückenteile sind mittlerweile alle zwischen dem Sonnenstein und der gegenüberliegenden Talseite verschoben worden. „Die Brücke ist jetzt auf ihre endgültige Lage auf den Pfeilern abgesenkt“, so Gawlas. Von den acht schlanken Pfeilern, die mitten über die Rottwerndorfer Straße in Pirna führen, erhalten fünf sogenannte Vouten. Das sind T-förmige Stützen am obersten Ende der Brückenpfeiler, um die Last der der darauf liegenden Brücke besser zu verteilen. Sie wurden nachträglich geplant. „Um Ostern rum wird die erste Voute aus Beton in bis zu 70 Metern Höhe gegossen“, so Gawlas. Dafür werden derzeit Leergerüste am Boden für die Schalung gebaut, eines wiegt allein 140 Tonnen!

„Ab April werden auch Fertigteilplatten auf der Brücke verlegt“, so Gawlas. Es folgen 35 Zentimeter dicker Fahrbahn-Beton und eine Versiegelung bevor die 8 Zentimeter dicke Asphaltschicht aufgebracht werden kann. Die 916 m lange Brücke bekommt noch 2 m hohe Windabweiser an den Seiten sowie Fledermausschutz an den Brückenauffahrten. Die dreispurige Brücke (zwei Fahrbahnen Richtung Königstein, eine Richtung Pirna) hat übrigens keine Nothaltebuch. Wer eine Panne hat, muss in luftiger Höhe rechts ran fahren, „wie an einer normalen Straße auch“, so Gawlas.

ANSCHLUSS B172

Aber auch die Straßenanbindung von der Brücke an die B172 wird weiter vorangetrieben. Dazu bekommt die Bundesstraße ab Herbst eine Umleitungsstrecke, die rund 500 m parallel zur jetzigen Straße führt. Die Baufreiheit wird für den Anschluss mit einer Ampelkreuzung gebraucht. Diese Lösung stand jahrelang in der Kritik, eine Bürgerinitiative machte sich wenigstens für einen Kreisel stark. „Doch die Ampel-Variante stand im Planfestellungsverfahren und muss so umgesetzt werden“, erklärt Miertschink. Änderungen hätten weiteren, enormen Bauverzug bedeutet. Die Ampelkreuzung soll, laut Deges, die schnellste Anbindungslösung für die zu erwartenden 22.000 Fahrzeuge in jede Richtung der B172 sein. Wenn der Anschluss steht, wird das 500 Meter lange Teilstück der B172, das dann nicht mehr gebraucht wird, zurück gebaut.

Es bleibt also noch viel zu tun bis Sachsens teuerstes Straßenbauprojekt endgültig abgeschlossen ist.

Audio:

Rüdiger Miertschink, Baubevollmächtigter der Deges, zu Zeitplan und Kosten der Ortsumfahrung Pirna
Oberbauleiter Ulrich Gawlas zu den Arbeiten in diesem Jahr