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Menschenkette in Dresden setzt Zeichen für den Frieden

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Mit zahlreichen Veranstaltungen hat Dresden am 13. Februar der Zerstörung der Stadt im 2. Weltkrieg gedacht, gleichzeitig aber auch an die Ursachen der Bombardierung erinnert. Es gab Kranzniederlegungen, Gedenkkonzerte und ein „Stilles Gedenken“ vor der Frauenkirche. Höhepunkt war eine Menschenkette in der Innenstadt, in die sich am Abend mehr als 3.000 einreihten.

Aufgerufen hatte dazu Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert zusammen mit Kirchen, Institutionen, Vereinen und Initiativen. Gemeinsam erinnerten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die Zerstörung Dresdens vor 77 Jahren und setzten ein sichtbares Zeichen des Miteinanders für eine weltoffene, tolerante Stadt.

Die Menschenkette entstand auf dem Altmarkt, um den Kulturpalast und die wieder aufgebauten Quartiere, auf dem Neumarkt und rund um die Frauenkirche. Distanzbänder zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sorgten für den notwendigen Abstand zum Infektionsschutz. Pünktlich 18 Uhr schloss sich die etwa viereinhalb Kilometer lange Menschenkette durch die Altstadt. Bekannte und Unbekannte, Nachbarn, Freunde, Familien, Dresdnerinnen und Dresdner, Gäste reichten sich die Hände. Bis 18.10 Uhr läuteten die Glocken der Dresdner Innenstadtkirchen.

Dresden war am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach von britischen und amerikanischen Bombern schwer zerstört worden. Bis zu 25.000 Menschen starben im Bombenhagel und einem daraus folgenden Feuersturm. Eine Fläche von zwölf Quadratkilometern wurde vollständig zerstört.

Derweil zogen am Nachmittag hunderte Neonazis durch die Dresdner Altstadt. Der Aufzug unter den Klängen von Wagner-Musik wurde von Einsatzkräften ebenso abgesichert wie lauter Gegenprotest in Sicht- und Hörweite hinter Absperrungen, die ein direktes Aufeinandertreffen verhinderten. Dem von „Nazis raus“-Rufen am Straßenrand begleiteten „Schweigemarsch“ stellten sich Hunderte Gegendemonstranten laut entgegen. Über dem Areal von Zwinger, Semperoper und Residenzschloss kreiste ein Hubschrauber, außerdem standen ein Wasserwerfer und ein Räumpanzer bereit.

Im Nachgang der Versammlung berichtete die Polizei von einer symbolischen Blockade der Auftaktkundgebung und einzelnen Versuchen aus dem Gegenprotest, Absperrungen zu durchbrechen. Gegen einen 21- und einen 27-Jährigen wurden Ermittlungserfahren wegen Landfriedensbruchs eingeleitet, gegen einen 24-Jährigen wegen Widerstands gegen Vollzugsbeamte. Auf dem Neumarkt an der Frauenkirche trennten Einsatzkräfte bei einer anderen Versammlung zwei unterschiedliche Lager.

Impressionen vom Tag und weitere Informationen: 13februar.dresden.de

Hier das Geschehen im Live-Ticker:

+++ 18:45 Uhr: Menschenkette in der Innenstadt - Dresden steht zusammen

Über 3.000 Menschen reihten sich heute in die Menschenkette in der Dresdner Altstadt ein. Aufgerufen hatte dazu Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert zusammen mit Kirchen, Institutionen, Vereinen und Initiativen. Gemeinsam erinnerten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die Zerstörung Dresdens vor 77 Jahren und setzten ein Zeichen des Miteinanders für eine weltoffene, tolerante Stadt. Zum Auftakt der Menschenkette gab es in der Dresdner Kreuzkirche eine Veranstaltung.

+++ 17:55 Uhr Auftakt zur Menschenkette - Botschaft: Nie wieder Krieg

Die Menschenkette zum 77. Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Februar 1945 durch Luftangriffe der Alliierten soll eine Friedensbotschaft in die Welt senden. "Nie wieder Krieg" solle von denen gehört werden, die in diesen Tagen die Macht haben über Soldaten und Waffen, sagte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) zum Auftakt am Sonntag in der Kreuzkirche. "Frieden ist nicht selbstverständlich, sondern allzu oft zerbrechlich", verwies er auf die Kriegsgefahr in der Ukraine.

+++ Update, 16.45 Uhr: Distanzbänder werden für die Menschenkette ausgegeben

Auf dem Altmarkt und Neumarkt beginnt die Ausgabe von Distanzbändern für die Menschenkette. Mit den gelben Bändern soll die Einhaltung des allgemeinen Mindestabstands von 1,50 Meter gewährleistet werden.

Dafür stehen weiße Zelte bereit: Auf dem Neumarkt neben dem Verkehrsmuseum an der Augustusstraße und Ecke Kleine Kirchgasse/Moritzgasse sowie für den Altmarkt vor dem Kulturpalast, Seite Galeriestraße und Wilsdruffer Straße, Höhe Haltestelle. (Siehe Anlage). Ordnerinnen und Ordner werden den Menschen Plätze in der Menschenkette zuweisen.

Um 17 Uhr startet die musikalische Auftaktveranstaltung zur Menschenkette in der Kreuzkirche. Diese kann live unter diesem Link verfolgt werden.

18 Uhr schließt sich die Kette zwischen Neumarkt und Altmarkt über die Wilsdruffer Straße. Diese wird dafür entsprechend kurzzeitig für den kompletten Verkehr gesperrt. Die Dresdner Glocken läuten 10 Minuten für die Dauer des Zusammenschlusses der Menschenkette. Auf einer Länge von 4,5 Kilometern können etwa 3.000 Personen an der Menschenkette teilnehmen.

Übersichtskarte

+++ Update, 16.30 Uhr: Gedenken auf dem Altmarkt

Auf dem Altmarkt wurde ein Areal zum Gedenken für  die Opfer der Bombenangriffe abgesperrt. Tagsüber wurden dort zahlreiche Kränze und Blumen abgelegt. Auf zwei langen Tischen an der Frauenkirche zündeten die Menschen Kerzen zur Erinnerung an Opfer von Terror und Gewalt an.

+++ Update, 16 Uhr: DVB wieder planmäßig unterwegs

Mit dem Ende der Demonstrationen sind auch die Umleitungen der Busse und Bahnen im Stadtgebiet beendet. Mit Einschränkungen sei jedoch noch zu rechnen, heißt es auf Twitter von den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB).

+++ Update, 15.30 Uhr: Zwischenfazit der Polizei

Mit dem Ende des Aufzuges der Rechtsextremisten gegen 15 Uhr zieht die Polizei eine erste Zwischenbilanz. "Der Einsatztag zeigt sich bislang ruhig und friedlich" sagte uns ein Polizeisprecher.

Die Veranstaltungen auf den Dresdner Friedhöfen am Vormittag verliefen allesamt störungsfrei.

Der von Rechtsextremisten angezeigte Aufzug am Bahnhof Mitte wurde am Nachmittag von zahlreichen Gegenprotesten begleitet. So gab es u.a. eine symbolische Blockadeaktion auf der Ostra-Allee. Die Polizei verhinderte ein Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Lager. Dabei gab es auch einzelne Versuche von Teilnehmern des Gegenprotestes die Absperrungen der Polizei zu durchbrechen. Die Polizei setzte hier Pfefferspray ein.

Gegen zwei Deutsche im Alter von 21 und 27 Jahren wurden Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs eingeleitet. Gegen einen 24-jährigen Deutschen wird wegen Widerstandes gegen Vollzugsbeamte ermittelt.

Auf dem Neumarkt an der Frauenkirche trennten die Einsatzkräfte bei einer anderen Versammlung zwei unterschiedliche Lager.

Audio: Zwischenfazit der Polizei

Polizeisprecher Marko Laske zum Einsatzgeschehen in Dresden am 13. Februar.

+++ Update, 15 Uhr: Neonazi-Kundgebung beendet

Die Neonazi-Kundgebung ist beendet. Diese startete am Mittag gegen 12.30 Uhr am Bahnhof Mitte, zog durch die Stadt u.a. am Zwinger vorbei über die Freiberger Straße und endete gegen 15 Uhr mit einer Abschlussversammlung am Bahnhof Mitte. 

Für die Polizei ist der Einsatz noch nicht vorbei. Am Abend gibt es weitere angezeigte Versammlungen in der Innenstadt. Polizeipräsident Jörg Kubiessa: "Am Abend ist vor allem die Absicherung der Gedenkveranstaltungen auf dem Altmarkt und Neumarkt der Schwerpunkt für unsere Einsatzkräfte."

Mit der traditionellen Menschenkette will Dresden am Abend erneut ein Zeichen für Frieden und Versöhnung setzen. Auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert und Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch haben angekündigt, sich einzureihen. 

Anschließend sollen die Sächsische Staatskapelle und Dresdner Philharmonie spielen. In der Kreuzkirche ist ein ökumenischer Friedensgottesdienst geplant.

+++ Update, 15 Uhr: Weitere Verkehrseinschränkungen

Aufgrund der Demonstrationen müssen die Dresdner am heutigen Tag weiterhin mit Verkehrseinschränkungen rechnen. Laut den DVB sind u.a. die Linien 1,6,10,11,68 betroffen.

+++ Update, 13.40 Uhr: Protest und Gegenprotest

Am Rande der Altstadt, am Bahnhof Mitte, versammelten sich am Vormittag hunderte Neonazis. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf bis zu 500, die auf rund 750 Personen anwuchs. Unter den Klängen von Wagner-Musik bewegte sich der "Schweigemarsch" ab 12.30 Uhr Richtung Stadtmitte.

Begleitet wurde dieser mit einem Gegenprotest von rund 300 Menschen und lauten "Nazis raus"-Rufen vom Straßenrand. Auf der Maxstraße setzte sich ein spontaner Protest auf den Boden. Am Zwinger stellten sich hunderte Gegendemonstranten dem Neonazi-Aufzug entgegen. In der Nähe der Strecke standen ein Wasserwerfer und ein Räumpanzer bereit, ein Polizeihubschrauber kreiste über das Areal.

Ein Banner von der Neonazi-Kundgebung mit der Aufschrift "Bombenholocaust" sorgte im sozialen Netz für viel Kritik. Das Plakat wurde von den Beamten nicht konfisziert. Zu den Gründen schrieb die Polizei: "Nach Rücksprache mit der zuständigen Staatsanwaltschaft besteht zum Inhalt des Plakates keine strafrechtliche Relevanz." Im vorherigen Jahr hatte die Polizei wegen einem ähnlichen Plakat eingegriffen.

+++ Update, 13.20 Uhr: Kranzniederlegung ohne Störungen

Gegen 11 Uhr am Vormittag starteten die Kranzniederlegungen mit stiller Erinnerung auf den Dresdner Friedhöfen. Neben Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gedachten auch Vertreter des Freistaates, wie der Vize-Landtagspräsidentin Andrea Dombois, Kulturministerin Barbara Klepsch und Kultusminister Christian Piwarz (alle CDU). "Wir dürfen mit Blick auf die Zerstörung von Dresden nicht nur auf 1945 schauen, sondern müssen unsere Perspektive auf die Zeit zwischen 1933 und 1945 erweitern", sagte Hilbert während einer Gedenkfeier auf dem Nordfriedhof.

Laut Angaben der Polizei verliefen die Gedenkfeiern, darunter auch die traditionelle Feier auf dem Heidefriedhof, wo die meisten Toten beigesetzt sind, störungsfrei.

+++ Update, 13 Uhr: Polizeihubschrauber kreist über Dresden

Um den Einsatz in Dresden zu koordinieren, ist ein Hubschrauber der Polizei in der Luft. 

"Der Sonntag wird ein langer Einsatztag mit unterschiedlichen Einsatztaktiken", sagte uns Polizeipräsident Jörg Kubiessa im Vorfeld.

+++ Update, 10.50 Uhr: Verkehrseinschränkungen zum 13. Februar

Aufgrund von dem Versammlungsgeschehen im Zusammenhang mit dem Gedenken zum 13. Februar im gesamten Innenstadtbereich ist mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen. Betroffen sind die gesamte Innenstadt sowie angrenzende Bereiche ab den Mittags- bis in die Abendstunden.

Unter anderem wird die Wilsdruffer Straße während der Bildung der Menschenkette von ca. 17.45 Uhr bis 18.30 Uhr in beide Fahrtrichtungen voll gesperrt sein. Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern wird geraten, den innerstädtischen Bereich nach Möglichkeit weiträumig zu umfahren. Im öffentlichen Personennahverkehr ist ebenfalls mit Behinderungen zu rechnen.

Weitere Informationen:
www.dresden.de/verkehrsbehinderungen
13februar.dresden.de

+++ Stand, 8.30 Uhr: Polizei für Großeinsatz vorbereitet

Die Dresdner Polizei bereitet für den heutigen Sonntag einen Großeinsatz vor. Am Jahrestag der Zerstörung der Stadt wollen auch wieder Rechtsextreme durch Dresden marschieren und das Datum für ihre Zwecke missbrauchen. Wie viele Teilnehmer kommen, lässt sich derzeit auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie noch nicht abschätzen.

Trotzdem ist die Polizei in Alarmbereitschaft, weil unter anderem die linke Szene zum Gegenprotest aufruft. Die Absicherung der Gedenkveranstaltungen und der Menschenkette stellt für Beamten eine weitere Herausforderung dar.

Die Dresdner Polizei setzt erneut Kommunikationsteams ein. Bei ihrem Einsatz wird die Polizeidirektion Dresden von der sächsischen Bereitschaftspolizei, Beamten aus Bremen, Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie der Bundespolizei unterstützt.

+++ Stand, 8 Uhr: Menschenkette am 13. Februar in Dresden

Wegen der aktuellen Sächsischen Corona-Notfall-Verordnung findet die Menschenkette 2022 unter besonderen Rahmenbedingungen statt. Anders als 2021 virtuell, können Bürgerinnen und Bürger wieder live dabei sein unter dem Motto "Erinnern für eine Zukunft des friedlichen Miteinanders in Vielfalt". Wer sich beteiligen möchte, sollte rechtzeitig vor Ort sein. Die Organisation und der Aufbau der Menschenkette beginnt am Sonntag, 13. Februar, 16.30 Uhr mit der Ausgabe von Distanzbändern an die Teilnehmer am Neumarkt und am Altmarkt.

Den Streckenverlauf der Menschenkette und weitere Informationen zum 13. Februar 2022 online unter: 13februar.dresden.de