Erster Test-Tag in Bad Schandau: „Brücke steht noch“
In Bad Schandau hat der Schwerlast-Test an der gesperrten Elbbrücke begonnen. Seit dem frühen Dienstagmorgen fährt immer wieder ein ferngesteuertes Modul über das Bauwerk.
Das Fahrzeug wird mit unterschiedlichen Gewichten beladen, am Vormittag waren es maximal 80 Tonnen. „Die Brücke steht noch“, scherzte Stephan Berger vom Infrastrukturministerium, der mit seinen Kollegen die Testfahrten überwacht.
Mit maximal 270 Tonnen soll die Brücke am Dienstag belastet werden, bis Donnerstag wird das Gewicht auf 320 Tonnen erhöht.
Das Schwerlast-Modul wird per Joystick über die Brücke gesteuert, begleitet von einer Drohne. Die gesamte Brücke ist vollgepackt mit Messtechnik, die während der Fahrt Daten sammelt.
Am Nachmittag kamen dann Infrastrukturministerin Regina Kraushaar, Landrat Michael Geisler, Bad Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack und auch Brücken-Experte Prof. Steffen Marx an die Brücke. Und auch Lutz van der Horst, Komiker und TV-Moderator aus der heute SHOW. Ein Brückentest am 1. April, die Vorlage war vermutlich zu gut, um sie auszulassen. Doch van der Horst nimmt für eine Sondersendung der Heute Show im Juni nicht die Schandauer und ihr Brücken-Problem auf die Schippe, „sondern die Infrastruktur in Deutschland allgemein, mit der es ja einige Probleme gibt“, erzählt er. Sein erster Ausflug ins Elbsandsteingebirge habe ihm gut gefallen: „Echt schön hier!“
Bald auch wieder LKWs erlaubt?
Der erste Tag verlief gut. Während Marx vorher nur von der Möglichkeit gesprochen hatte, Autos wieder über die Brücke zu lassen, sind nun sogar Lkws bis 7,5 Tonnen und Busse im Gespräch. „Dazu wird es aber eine Ampelschaltung geben. Das muss man sich so vorstellen: Die Ampel steht immer auf Grün bzw. ist aus. Wenn ein Bus oder Lkw mit Sondergenehmigung kommt, haben die die Möglichkeit die Ampel zu steuern. Wenn sie darüber fahren, schalten sie hinter sich automatisch auf Rot, alle müssen warten. Wenn sie auf der anderen Elbseite angekommen sind, wird die Ampel wieder auf Grün gesetzt, der Verkehr kann weiter rollen“, so Marx.
Der Regionalverkehrschef Uwe Thiele (RVSOE) ist noch skeptisch, plant erstmal mit den Busverbindungen ab dem Bahnhof Bad Schandau bzw. dem Lidl-Markt auf der gegenüberliegenden Seite weiter. Landrat Geisler sagt: „Wenn wir die Brücke für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen wieder frei bekämen, wäre das eine Riesenentlastung für die Region.“
Belastungstest kann per Livestream verfolgt werden
Bis einschließlich Donnerstag (3.4.) soll der Belastungstest andauern. Bis Ostern wird es aber noch dauern, bis die Messdaten des dreitägigen Brückentests ausgewertet sind. Dann werden Prof. Manfred Curbach von der TU Dresden und Prof. Thomas Bösche von der HTW Dresden, die bereits den Versuchsaufbau für die Brücke abgenommen haben, die Berechnungen anhand der Testdaten für die Standfestigkeit der Elbbrücke nochmals überprüfen. Und dann, je nachdem, die Empfehlung zur Wiedereröffnung oder weiteren Sperrung geben. Livebilder aus Bad Schandau gibts hier:
Audio:
Diese Einschränkungen gibt es
Seit Freitag ist die Umfahrung über die Basteistraße unter Ampelregelung eingerichtet und der Elbeparkplatz abgesperrt.
Die Elbebrücke ist mittlerweile mit über 50 Sensoren und Messtechnik ausgestattet, mit denen auch nach dem Belastungstest der Zustand der Brücke kontinuierlich erfasst wird. Für den anstehenden Test sind besonders die installierten Schallemissionsmessgeräte und die faseroptische Dehnungs- und Rissüberwachung von Bedeutung. Mit den Messsystemen wird festgehalten, wenn selbst für das Auge nicht sichtbare Verformungen, Risse und insbesondere Spanndrahtbrüche im Inneren der Brücke auftreten.
So läuft der Belastungstest ab
Über die drei Testtage wird ein ferngesteuertes Schwerlastmodul mehrere Testfahrten durchführen. Es sind diverse Testfahren geplant mit zunehmender Beladung. Hört Brücken-Experte Steffen Marx von der TU Dresden vor Ort über die Schallemmissionsmikrofone keine Spannstahlbrüche, werden anschließend auch noch "bemannte" Gabelstapler mit Gewichten auf die Brücke geschickt. Damit soll ein möglichst reales Lasten-Bild (wie bei normalem Verkehr) auf der Brücke erzeugt werden.
"Wenn die Brücke dem Versuch standhält, dann sind wir sicher", so Marx. Dann könnte die Brücke für den Verkehr mit eingeschränkter Last zugelassen werden. Die Messungen an der Brücke sowie der Lasten-Test kosten insgesamt 300.000 Euro.
Behelfsbrücke kommt trotzdem
Selbst wenn die alte Elbbrücke zügig wieder geöffnet werden kann, bekommt die Stadt dennoch eine Behelfsbrücke für 31 Mio. Euro. Hintergrund: Sie muss mehrere Jahre bis zum kompletten Neubau der Elbbrücke "überbrücken" und kann dann alle Lasten, also auch LKWs, Busse usw. aufnehmen. Laut Infrastrukturministerin Regine Kraushaar soll der Neubau möglichst ohne Planfestellungsverfahren im gleichen Stil wie die alte Brücke errichtet werden.






