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  • Bei Schneetreiben standen die Menschen zusammen, wie hier vor der Semperoper.

Gedenken in Dresden: Weiße Rosen und Menschenkette

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80 Jahre nach der Zerstörung Dresdens durch britische und amerikanische Luftangriffe hat die Stadt erneut ein Zeichen für Versöhnung und Frieden in die Welt gesandt. Um 18.00 Uhr schloss sich wie jedes Jahr eine Menschenkette um die wiederaufgebaute Altstadt. 

Zum Geläut der Innenstadtkirchen standen die Menschen im Schneetreiben für einige Minuten zusammen gegen Krieg, Gewalt und Zerstörung und eine politische Instrumentalisierung der Erinnerung. Vor der Semperoper reihten sich auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Prinz Edward Herzog von Kent ein.

Der Auftakt zur Menschenkette war diesmal auf dem Theaterplatz, anlässlich des 40. Jahrestages des Wiederaufbaus der am 13. Februar 1945 durch die Bombardierung Dresdens zerstörten Semperoper.

Von dort zog sich die rund vier Kilometer lange Menschenkette über die Brühlsche Terrasse, entlang der Synagoge, der Frauenkirche, des Neuen Rathauses um den Altmarkt und über den Postplatz zurück zum Theaterplatz. Eine Querung der Elbe gab es in diesem Jahr nicht. Grund ist die fehlende Carolabrücke und die damit ohnehin schwierige Verkehrssituation. 

„Dresden darf sich an einem Tag wie heute auch nie nur mit sich selbst beschäftigen“, sagte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Es sei eine unter vielen von Kriegen verwüsteten Städten. „Dass keine weiteren mehr hinzukommen, muss unser gemeinsames Streben sein.“ 

Dresden war am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach durch alliierte Bomben zerstört worden. Nach Recherchen von Historikern verloren bis zu 25.000 Menschen ihr Leben.

Audio:

Oberbürgermeister Dirk Hilbert

Dresdner Lernweg: Interaktive Tour durch die Stadtgeschichte

Prinz Edward Herzog von Kent, königlicher Schirmherr des Dresden Trusts, Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert sowie das Lernweg Team um Daniel Schieferdecker, Andreas Schöne und Heiko Günther haben am 13. Februar gemeinsam den Dresdner Lernweg eröffnet. Der Dresdner Lernweg ist ein Gemeinschaftsprojekt des Dresden Trust und der Fördergesellschaft Frauenkirche.

Das kostenfreie Bildungsangebot richtet sich vor allem an Schulklassen, die Dresden besuchen. Sie können auf dem Lernweg die Bedeutung Dresdens für die europäische Geschichte im 20. Jahrhundert interaktiv erleben. Anstatt wie üblich von Lehrern geleitet, übernehmen beim Dresdner Lernweg die Schüler das Zepter und unterrichten einander mit selbst erarbeiteten Materialien.

An acht Stationen in der Dresdner Innenstadt werden Fakten aus der 800-jährigen Geschichte Dresdens sowie Ereignisse in den Partnerstädten vorgetragen. Der Schwerpunkt liegt auf der Pogromnacht 1938, der Zerstörung Coventrys, der Zerstörung Dresdens, der Friedlichen Revolution in der DDR sowie der Rolle Dresdens in der internationalen Erinnerungskultur.

Erstmalig erprobt hat den Dresdner Lernweg das Berufliche Gymnasium der Semper Schulen Dresden. Ein gesamter Geschichtskurs mit 20 Schülerinnen und Schülern hat sechs Stationen und die Wege zwischen den Stationen mit Inhalten bestückt. Je Station waren drei bis vier Schülerinnen und Schüler verantwortlich, historisches Wissen im Unterricht auszuarbeiten und aufzubereiten. In rund zwei Stunden haben die Zwölftklässler die Zehntklässler von der Synagoge über die Frauenkirche bis hin zum Rathaus geführt.

Was sagen die Schüler dazu?

Weiße Rosen und Kerzen an vielen Orten

In stiller Erinnerung verharrten am Vormittag Offizielle und Bürger auf Friedhöfen der Stadt, legten weiße Rosen und Kränze nieder, wie Menschen auch andernorts wie vor der Frauenkirche. Dort bildeten hunderte Lichter eine Riesenkerze in der Dunkelheit. Neben Andachten und Gottesdiensten gab es mehrere Versammlungen, allerdings jeweils bis zum frühen Abend mit viel weniger Zulauf als erwartet. 

Gedenkveranstaltung im Rathaus

Als besonderer Ehrengast und auch als Zeitzeuge ist Seine Königliche Hoheit Prinz Edward Herzog von Kent zu Besuch nach Dresden gekommen. Er sprach am Nachmittag ein Grußwort im Rahmen der offiziellen Gedenkveranstaltung im Rathaus.

Mehr Informationen dazu gibt es in unserem Artikel "Was hat das britische Königshaus mit dem Bomben-Gedenken zu tun?".

Polizei: Überraschend ruhig in der Innenstadt

Die Polizei war angesichts der angemeldeten rechten und linken Veranstaltungen mit größerem Aufgebot im Stadtgebiet unterwegs. „Keine Störungen, es ist überraschend ruhig“, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Dresden. Drei Straftaten wurden gemeldet: ein Hakenkreuz im Schnee, eine Beleidigung und eine Schreckschusswaffe im verwaisten Beutel einer Frau im öffentlichen Bereich des Rathauses.

Am Abend zogen rund 1.000 Gegendemonstranten durch die Innenstadt, mit lauter Musik und „Nazis raus“-Rufen - der für die Veranstaltung der AfD vorgesehene Platz aber blieb leer. 

Polizei zieht positive Einsatzbilanz

Die Bilanz der Polizei: keine Störungen tagsüber und auch später, bis auf einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz. Bei der Feststellung der Identität kam es „zum Einsatz von unmittelbarem Zwang“. Insgesamt waren am Gedenktag rund 1.500 Beamte im Einsatz, auch von der sächsischen Bereitschaftspolizei sowie aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz.