++ EIL ++

Trotz Protesten: Maßnahmenpaket gegen Unterrichtsausfall beschlossen

Zuletzt aktualisiert:

Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) hält an seinem umstrittenen Maßnahmenpaket zur Absicherung des Schulunterrichtes fest. Das Kabinett beschloss heute den 21-Punkte-Plan gegen den hohen Unterrichtsausfall im Freistaat. Perspektivisch soll damit der Ausfall „halbiert werden“, so Clemens. 

Ein Punkt war besonders umstritten: Lehrer sollen nun ab 60 Jahren, statt wie bisher ab 58 Jahren, ihre Stundentafel verkürzen können. Ursprünglich sollten sie sogar bis 63 Jahre ohne zeitliche Abstriche arbeiten. Die Mehrarbeit für die Lehrer entspricht, laut Kultusministerium, rund 130 Vollzeitstellen. Der Lehrerverband Sachsens kritisiert: „Die Vorhaben gehen eindeutig zu Lasten der Lehrkräfte, werden den Krankenstand weiter in die Höhe treiben und die vorzeitige Beendigung des Schuldienstes mit 63 Jahren zusätzlich begünstigen“, so Verbandschef Michael Jung. 

15 Stunden „Selbstlernen“

Wie geplant soll es aber künftig unter anderem mehr Unterricht in digitalen Formaten, mehr fächerübergreifenden Unterricht und weniger Klausuren und Klassenarbeiten geben, um die Lehrer zu entlasten. Auch sollen sie 15 Unterrichtsstunden pro Schuljahr digital vorbereiten, der dann bei Ausfall durch Krankheit o.ä. unter Aufsicht eines anderen Lehrers oder Schulassistenten stattfinden kann. Dabei arbeiten die Schüler im Klassenzimmer jedoch selbstständig mit dem Lehrstoff. Im Ministeriums-Deutsch heißt das „digitalgestütztes Selbstlernen“.

„Ich weiß, dass die Maßnahmen nicht populär sind. Sie sind aber absolut notwendig“, sagte Clemens nach der Kabinettssitzung in Dresden. Alle Maßnahmen soll automatisch am 31. Juli 2030 auslaufen und anschließend bewertet werden. 

Weniger Schulkinder - weniger Lehrer

Clemens geht davon aus, dass der Lehrermangel bis dahin Geschichte ist - und erwartet bereits Verbesserungen in diesem Herbst. Im kommenden Schuljahr werde es zudem 2.500 Mädchen und Jungen weniger in den Grundschulen geben. „Wir werden in wenigen Jahren darüber sprechen, dass wir keinen Lehrermangel mehr haben.“ 

Bei den Interessenvertretungen der Lehrerschaft fielen die 21 Maßnahmen durch. „Das Gesamtpaket wird die Schulbildung in Sachsen nachhaltig beschädigen. Wir sind wütend“, urteilte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (mit dpa)

Audio:

Michael Jung, Chef des Lehrerverbandes, reagiert enttäuscht
Minister Clemens zum Maßnahmenpaket