Keine Brücke, keine Pontons, kein Plan?
Mit jedem Zentimeter schwinden die Hoffnungen... Der Elbe-Pegel sinkt derzeit durch die anhaltende Trockenheit, schwankt aktuell in Dresden zwischen einem Meter und 1,19 Meter.
Damit ist der Wasserstand jetzt schon zu niedrig für den eigentlich wichtigsten Teil des Brückenabrisses. Doch der Reihe nach: Wie jetzt bei einem erneuten Krisentreffen zwischen Stadtverwaltung, Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA), Weißer Flotte, Binnenhäfen, tschechischen Reedern und weiteren Elbe-Nutzer bekannt wurde, brauchen die Schiffe, die Bauteile anliefern, mindestens einen Pegel von 1,20 Meter. Bei den Bauteilen handelt es sich um Schwimm-Pontons, auf denen die Brückenteile von der Flussmitte zum Ufer ausgeschwommen werden sollen.
Verzögerung mit Ansage?
Auf die Frage der Teilnehmer der Krisenrunde nach dem Zeitpunkt der Anlieferung folgte großes Staunen. Grund: Laut Hentschke-Bau, der Generalunternehmer für den Abriss der Carolabrücke wurde, seien die Pontons noch nicht einmal bestellt. Geschweige denn zeitnah lieferbar... Ein Teilnehmer erklärte: „Wir waren alle fassungslos und einer Meinung: Die Anlieferung der Pontons hat bei dem sinkenden Elbe-Pegel absolute Priorität.“ Die tschechischen Schifffahrtsexperten boten Hilfe und Schiffe an, die bis zu einem Elb-Pegel von 1 Meter noch manövrierfähig seien - vorerst abgelehnt.
Verzögert sich die Anlieferung der Pontons, könnte sich der ganze Abriss weiter um Monate bis in den Herbst verschieben, wenn die Elbe wieder mehr Wasser führt.
Schifffahrt weiter eingeschränkt
Für die Schifffahrt eine (anhaltende) Katastrophe! Denn seit erneuten Spannstahlbrüchen der noch stehenden Brückenteile dürfen wochentags nur zwischen 9 - 11 Uhr Schiffe die Brücke queren. Allerdings muss alles vorher beim WSA angemeldet und überwacht werden. Einzige Ausnahmen: Der 1. und 17. Mai. Da soll die Weiße Flotte mehr Zeit bekommen, ihre Schiffe strategisch für die beliebte Flottenparade und den Riverboatshuffle vor und hinter der Carolabrücke zu positionieren.
Eine zusätzliche Ausweitung des Zeitfensters sei ausgeschlossen, da die Meldekette personell nicht gewährleistet werden könne. Hintergrund: Sollte während einer Durchfahrt (Schiffe immer ohne Passagiere!) ein Spannstahlbruch auftreten bzw. an den Messgeräten verzeichnet werden, muss innerhalb von 60 Sekunden der Schiffsführer informiert werden.
Aktualisierter Zeitplan
Der Zeitplan hängt jetzt schon und verzögert sich immer weiter! Sprach Tiefbauamtsleiterin Simone Prüfer vor wenigen Tagen noch davon, den Juni als Rückbau-Termin halten zu können, heißt es jetzt Ende Juli. Nach dem Ausschwimmen der Brückenteile ist zwar die Wasserstraße wieder frei, aber der Abriss noch nicht beendet. Das Zerkleinern der Teile am Elbufer nimmt weitere vier Monate in Anspruch.
„Die Ungeduld auf vielen Seiten ist mehr als verständlich, aber es ist eine extrem schwierige Aufgabe, diese Brücke abzubauen“, rechtfertigt sich Baubürgermeister Stephan Kühn. „Hier wird bürokratisch nichts verzögert. Wir sind in keinem typischen Planmodus, sondern in einer täglichen Abstimmung. Wenn es einfach wäre, wäre die Brücke schon weg.“
Spanndrahtbruch erstmals an Brückenzug B
In der Nacht von Mittwoch, 9. April, zu Donnerstag, 10. April 2025, ist ein Spanndrahtbruch am Brückenzug B der Carolabrücke im Bereich der Achse C auf der Altstädter Seite festgestellt worden. Da dieser Bruch in einem Bereich stattfand, der eine größere Restsicherheit aufweist, bestand für die Schifffahrt keine Gefahr, heißt es von der Stadt.