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GEW zum Lehrer-Paket: Das geht nach hinten los!

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Die Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen und der Sächsische Lehrerverband üben scharfe Kritik am angekündigten Maßnahmenpaket zur Unterrichtsversorgung, das gestern von Kultusminister Conrad Clemens vorgestellt wurde.

Burkhard Naumann, Landesvorsitzender der GEW in Sachsen, erklärt:„Das ist ein schwerer Angriff auf die Lehrkräfte in Sachsen, gegen den wir uns wehren werden. An vielen Stellen trifft es ausgerechnet die älteren Kolleginnen und Kollegen, die seit vielen Jahren die politischen Fehler des CDU-geführten Kultusministeriums ausbaden müssen. Über 15 Jahre wurden kaum Lehrkräfte eingestellt und die Politik manövrierte sehenden Auges in den Lehrkräftemangel. Statt gemeinsam mit allen Beteiligten Maßnahmen zur Unterrichtsversorgung zu entwickeln, werden nun nach Gutsherrenart Maßnahmen gegen die Lehrkräfte getroffen. Die meisten Maßnahmen belasten nicht nur die ohnehin schon überlasteten Lehrkräfte zusätzlich. Der Schuss geht nach hinten los, wenn die Attraktivität des Berufs und die Qualität des Unterrichts weiter sinken. Dann werden sich noch weniger Menschen für diesen Beruf entscheiden und ältere Lehrkräfte noch schneller in den Ruhestand gehen.“

Michael Jung, Chef des Lehrerverbandes Sachsen, ergänzt: „Erneut werden die Stellschrauben angezogen, ohne die eigentlichen Probleme zu lösen. Jahrzehntelange Versäumnisse und das kurzfristige Denken in Legislaturperioden führen jetzt wieder zu drastischen Einschnitten für das schulische Personal. Statt zukunftsfähige Konzepte zu entwickeln, werden die Lasten einmal mehr auf dem Rücken der Lehrkräfte abgeladen.“

Neben den Einschnitten bei den Fachberatern und den Verschlechterungen für den Unterricht in der Sekundarstufe II kritisieren GEW Sachsen und Lehrerverband vor allem die de facto Abschaffung der Altersermäßigung für viele Lehrkräfte: „Neun von zehn Lehrkräften gehen vorzeitig in den Ruhestand und nehmen Einbußen bei der Rente in Kauf. Sie sind nicht mehr bereit, die volle Belastung des Berufs auf Kosten ihrer Gesundheit zu ertragen. Das Versprechen an diese Altersgruppe und auch an die jüngeren Lehrkräfte wird nun gebrochen. Statt gute Angebote für ältere Lehrkräfte zu schaffen und damit die Bindung an den Beruf zu erhöhen, wird Sachsen damit zum Schlusslicht im Bundesvergleich. Das Zeichen des Kultusministeriums an die Gesundheit und die Wertschätzung der Lehrkräfte ist fatal!“ Michael Jung erinnert zudem daran: „Die Generation, die das Schulsystem in Sachsen trotz aller politischen Fehlentscheidungen aufrechterhalten hat, wird erneut benachteiligt. Lehrkräfte, die bereits unter Zwangsteilzeit und Gehaltsverlusten litten und nie die Chance auf Verbeamtung hatten, sollen nun im Alter auf die Möglichkeit einer Teilzeitbeschäftigung verzichten – das ist nicht hinnehmbar.“

Die Altersermäßigung in den meisten Bundesländern beginnt mit dem 58. Lebensjahr, in einigen sogar mit dem 55. Lebensjahr. Mit der Verschiebung auf 63 Jahre (1 Stunde Ermäßigung) wäre Sachsen Schlusslicht.

Lehrer und Gewerkschaft erwarten vom Kultusministerium nun gemeinsame Gespräche. Dazu habe die GEW Ende Februar dem Ministerium bereits eigene Vorschläge für befristete Notmaßnahmen unterbreitet, die sowohl Arbeitsvermögen gewinnen, als auch die Schulen entlasten können.Darunter befindet sich u.a. eine Kürzung der Stundentafeln und des Profilunterrichts, finanzielle Anreize wie den Ausbau der Bindungszulage, um Lehrkräfte länger im Beruf zu halten und eine deutlich bessere Vergütung für Mehrarbeit. Die GEW geht derzeit von einer 46-Stunden-Woche für Lehrer im Schulbetrieb aus. In einer aktuellen Studie zur Arbeitszeiterfassung geben 4500 sächsische Lehrer jedoch an, im Schnitt 40 Stunden pro Woche zu arbeiten, in den Ferien entsprechend weniger.

Audio:

Sachsens GEW-Chef Burkhard Naumann kritisiert das Maßnahmepaket gegen Lehrermangel