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Dresdner Flughafen wird heute 90! Kleine Feier, große Sorgen

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Wer heute am Flughafen Dresden Klotzsche landet oder abfliegt, wird vom Jubiläum nichts merken. Dabei feiert der Flughafen heute seinen 90. Geburtstag, blickt auf eine bewegte (Luftfahrt)-Geschichte zurück. Seit 1935 wurden bis einschließlich Juni 2025 insgesamt 56,3 Mio. Passagiere gezählt. 

Götz Ahmelmann, Vorstandsvorsitzender der Mitteldeutschen Flughafen AG (Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden), besucht heute die Belegschaft in Dresden: „Wir sind mitten in einer Restrukturierung. Wir durchlaufen ein Freiwilligenprogramm, müssen Stellen reduzieren, sparen. Deswegen machen wir nur einen kleinen Geburtstag mit der Belegschaft und feiern ein bisschen im Rahmen dessen, was vertretbar ist, ohne da zu groß Geld ausgeben zu können.“ Er wolle damit auch der Belegschaft danken, die trotz der Schwierigkeiten jeden Tag ihren Job mache. 

250 Stellen sollen in der Verwaltung in Klotzsche gestrichen werden. Der Flughafen muss dringend bis Ende nächsten Jahres wirtschaftlicher werden. Denn nur bis dahin ist die Finanzierung über den Freistaat Sachsen, aber auch das Land Sachsen-Anhalt gesichert. Das hält ebenfalls 18,5 Prozent am Dresdner Flughafen, will jedoch spätestens ab 2027 das Defizit des Dresdner Flughafens nicht länger mitbezahlen. Finanzminister Michael Richter (CDU) erklärte unmissverständlich in Magdeburg: „Das Land Sachsen weiß, dass wir uns an den Verlusten nicht weiter beteiligen wollen.“

Dresden verliert Anschluss

„Dresden und Erfurt haben für uns aus touristischer Sicht bei weitem nicht die Bedeutung, die Leipzig hat“, sagt Tammo Gause, der Leiter für Transportwesen beim Reiseveranstalter Dertour. Während Leipzig/Halle im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 4,7 Prozent bei den Passagierzahlen verzeichnete, sank die Zahl der Fluggäste in Dresden um 5,1 Prozent. Im Vergleich zu den 29 Zielen in 13 Ländern ab Leipzig, gehts von Dresden nur zu 14 Zielen in sieben Ländern - auch wenn dort in diesem Sommer Flüge nach Antalya und Heraklion ausgebaut wurden.

Millionen Rettung keine Dauerlösung

Seit Jahren steht die MFAG unter Druck. Eine akute Finanzkrise konnte im vergangenen Jahr nur knapp abgewendet werden – die Gesellschafter Sachsen und Sachsen-Anhalt schossen zusammen 145 Millionen Euro zu, um das Finanzloch zu stopfen und so den Betrieb zumindest bis Ende 2026 zu sichern. Im aktuellen Doppelhaushalt legt der Freistaat nochmal weitere 77 Mio. Euro nach. 

Fluggebühren müssen runter

Teil des Problems seien auch extrem hohe Gebühren und Abgaben für Flugbetreiber in Deutschland, so Ahmelmann: „Um Ihnen mal ein Beispiel zu nennen: Wenn Sie heute mit einem Flugzeug in Prag abheben und damit nach Barcelona fliegen, zahlen Sie 500 Euro Gebühren und Abgaben. Wenn das gleiche Flugzeug in Dresden nach Barcelona abhebt, zahlt der Flugzeugbetreiber 4500 Euro. Das ist das Zehnfache, was an staatlichen Gebühren und Abgaben in der Nachbarschaft anfällt. Und das führt eben dazu, dass sich viele Fluggesellschaften überlegen, wo stationieren sie ihre Flugzeuge. Und deswegen ist es manchmal schwer, Kapazitäten zu bekommen.“ 

Kretschmer hält an Klotzsche fest 

Auch Michael Kretschmer hält das für einen wesentlichen Hebel, Dresden und andere kleinere Flughäfen in Deutschland wieder wettbewerbsfähiger zu machen: „Deutschland muss sich endlich befreien von diesen vielen Regeln, von dieser Überteuerung und dann wird das auch mit Dresden besser werden.“

Dresden sei Landeshauptstadt, der Flughafen benötigte Infrastruktur wie eine Bahnstrecke oder Autobahn, so der Ministerpräsident weiter. „Dresden ist der  Heimatort für Silicon Saxony und die Spitzenwissenschaft. Natürlich braucht es diesen Flughafen. Das ist überhaupt keine Frage“, so Kretschmer vehement. 

Kritik bleibt  

Thomas Löser, Landtagsabgeordneter der Grünen, fordert ein wirtschaftlich tragfähiges Zukunftskonzept. „Es darf nicht zum Dauerzustand werden, dass der Freistaat Geld in einen defizitären Flughafen stecken muss, das ihm dann an anderen Stellen fehlt.“ Der Flughafen solle seine Flächen auch stärker für Veranstaltungen nutzen, so Löser. Das sei Teil des Konzeptes, so Ahmelmann. „Wir haben einen der schönsten Kongressorte, bei uns kann man sogar heiraten.“ Doch Firmenansiedlungen seien geplant, allerdings noch nicht spruchreif für die Öffentlichkeit. 

Er hoffe, dass zum 100. Geburtstag des Flughafens Dresden in zehn Jahren die Feier wesentlich größer ausfallen kann. (mit dpa)

Audio:

Ministerpräsident Kretschmer steht zum Flughafen
Flughafen-Chef Götz Ahmelmann zum Jubiläum