Festung Königstein lüftet Atom-Geheimnis
Die Festungsmauern sind über 400 Jahre alt und meterdick. Nie wurde der Königstein erobert, trotzt allen Angriffen, thront majestätisch 240 Meter über der Elbe. Das brachte einst auch die SED-Funktionäre zu DDR-Zeiten auf eine Idee!
Zu Zeiten des Kalten Krieges funktionierten sie das alte Schwarzpulver-Lager auf dem Festungsplateau 1962 zum Luftschutzbunker um. Und ertüchtigten es in den Achtziger Jahren sogar noch zum Atombunker! „Unter einer dicken Betondecke wurde damals alles für einen möglichen Atomschlag vorbereitet, bei dem sich die SED-Kreisleitung dann wohl zurückgezogen hätte, um im Bunker den Wiederaufbau zu planen“, sagt Dr. André Thieme, Historiker und Geschäftsführer der Festung Königstein.
Heißt: Die tief ins Erdreich führenden weiß getünchten Gänge erhielten dicke Stahltüren, Luftfilter, eine Dusche zum Dekontaminieren. In kleinen Räumen müssen Betten, Lebensmittelvorräte in Dosen und auch Aktenschränke gestanden haben. „Leider gibt es keine Unterlagen mehr zum Leben im Bunker zu DDR-Zeiten - oder sie sind verschollen. Wir wissen nur, dass der Bunker Anfang der 90er Jahre besenrein an die Festung übergeben wurde“, so Thieme weiter.
Nun öffnet die Festung erneut den Atombunker, der jahrzehntelang ein gut gelüftetes Geheimnis war. Selbst die pensionierte Festungschefin Dr. Angelika Taube, „die 30 Jahre auf der Festung lebte und arbeitete, bekam in den Achtziger Jahren nicht mit, wie nachts der Bunker heimlich für einen möglichen Atomschlag ausgebaut wurde“, so Thieme weiter.
Auch wenn der Bunker heute weitestgehend leer ist, der Besuch nimmt einen mit auf eine spannende Zeitreise. Thieme warnt jedoch: „Das ist nichts für Leute mit körperlichen Einschränkungen, Klaustrophobie oder Epilepsie.“ Denn gleich zu Beginn heulen Sirenen los, eine Ansage ertönt im Lautsprecher - der fingierte Atomschlag. Dann wird alles stockdunkel, Lampen flackern. „Das pädagogische Geheimnis des Bunkers ist: er erklärt sich mit Licht und Soundeffekten selbst“, so Thieme. Ein Führer begleite zwar die maximal 20 Personen mit unter die Erde, aber dann kann man die verwinkelten Gänge und Räume selbst erkunden - inklusive museumsreifer DDR-Armaturen und Anlangen.
Führungen finden dienstags und donnerstags jeweils 13 Uhr statt. Ein Ticket von derzeit 4 Euro muss zusätzlich zum Festungseintritt (Winter-Sparpreis: 10 Euro/Erw.) gelöst werden. Ab April steigen die Preise.