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Wie sinnvoll sind Dresdens Fahrradbarometer?

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Stolz präsentierte Baubürgermeister Stephan Kühn im April die neuen Fahrradbarometer: Zwei Stück stehen nun an der St. Petersburger Straße in Dresden und sollen pro Richtung die Radler zählen. Dafür wurden 100.000 Euro investiert. Vier weitere Standorte sollen folgen, insgesamt eine halbe Million Euro werden dafür fällig. 

Doch mit dem heftigen Gegenwind hatte wohl kaum einer gerechnet. In den sozialen Netzwerken überschlug sich die Kritik. Die Stadt sperrte kurz darauf die Kommentarfunktion.

Auch seitens der Fraktionen hagelte es Vorwürfe. Als „rausgeschmissenes Geld“ wurde das Vorhaben zum Beispiel von der CDU und den Linken bezeichnet. Gerade in Zeiten der angespannten Haushaltslage, wo von Kürzungen bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) oder stillgelegten Brunnen die Rede ist, wäre das Geld besser investiert. Allerdings zahlt Dresden nicht die gesamte Summe für die Barometer: 65 Prozent gibt es als Förderung vom Bund.

Rückenstärkung vom ADFC

Der ADFC präsentiert sich mit klarer Haltung. "Wir begrüßen auf jeden Fall die Einführung von Fahrradbarometern", sagte uns Jonas Geyer vom Dresdner Fahrradclub. Die Barometer würden ein Zeichen dafür sein, dass der Radverkehr in der Stadtpolitik ernst genommen werde. "Es sendet das klare Signal: Der Radverkehr zählt!"

Dresden ist dabei nicht die erste Stadt, die in solche Barometer investiert. In vielen Orten weltweit - von Alaska über Kopenhagen, Leipzig bis Stuttgart - stehen solche Barometer bereits seit Jahrzehnten und liefern öffentlich sichtbare Daten. 

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17.500 Euro pro Barometer: Im Vergleich „sehr geringe Kosten“

Der ADFC kann die Kritik an den Kosten nicht komplett nachvollziehen. "Ja, wir reden da von einer halben Million Euro Gesamtkosten", räumte Geyer ein. Gleichzeitig habe sich die Stadt um ein Bundesförderprogramm bemüht, welches 65 Prozent der Kosten übernimmt. Damit sei man bei 17.500 Euro pro einzelnem Barometer. "Das ist im Vergleich zu anderen verkehrsbezogenen Maßnahmen sehr gering."

Geyer wünscht sich differenziertere Diskussionen. "Es ist nun einmal so in der Stadtpolitik: unterschiedliche Maßnahmen haben unterschiedliche Zuständigkeiten, Budgets und Realisierungszeiträume. Und jetzt diese Fahrradbarometer gegen trockene Brunnen oder den Neubau der Carolabrücke aufzurechnen, ist unserer Meinung nach weder sachlich noch zielführend." Er wünsche von allen Beteiligten, dass sie einen Schritt zurückgehen, den Blick aufs "große Ganze"  richten und die Diskussionen etwas differenzierter führen. Eine aktuelle Studie habe gezeigt, dass Radfahrende in Dresden überdurchschnittlich unzufrieden mit der Situation der Radwege und Co. sind, vor allem im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten.

Dresden hält trotz Kritik weiter an den Fahrradbarometern fest. Ab November sollen die nächsten aufgestellt werden.