Kleine Sensation - Bild von Kokoschka für Dresden
Mitten im Winter ist der Sommer nach Dresden gekommen - und zwar in Form eines Bildes. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden konnten das Bild „Sommer1“ des Malers Oskar Kokoschka erwerben. Der Ankauf gelang mit Hilfe mehrerer Stiftungen und gemeinsam mit dem Sprengel Museum Hannover. „Sommer I“ wird künftig alle vier Jahre von beiden Häusern im Wechsel präsentiert. Den Anfang macht das Albertinum.
Der Ankauf füllt eine signifikante Lücke im Bestand des Albertinum: Das Werk „Sommer I“ des aus Österreich stammenden Künstlers entstand 1922 in Dresden. Oskar Kokoschka war 1917 von Wien in die sächsische Metropole gekommen, wo er 1919 zum jüngsten Professor an der Kunstakademie berufen wurde. Die Werke aus dieser Zeit weisen einen unverkennbaren Stil auf: expressive, mit grobem Pinsel modellierte Bildnisse und Allegorien, geprägt von leuchtenden Farbkontrasten.
Prof. Dr. Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden:„Kunst lebt davon, dass sich Künstler*innen immer wieder auf Bild- und Ideenmaterial aus vorangegangenen Werken beziehen. So war Kokoschka in seiner Dresdner Zeit 1917-1923 außerordentlich häufig Gast in der Dresdner Gemäldegalerie und reagierte - wie wir aus der Forschung im Haus nun wissen - in seinen Werken auf Gemälde von Giorgione, Tizian und Rubens. Mit dem aktuellen Ankauf werden gleich drei Museen und ihre Besucher*innen reicher, die Gemäldegalerie Alte Meister mit einem Bild, das untrennbar mit ihrer Geschichte verbunden ist, das Albertinum und das Sprengel Museum mit einem herausragenden Werk der Klassischen Moderne.“
Hilke Wagner, Direktorin des Albertinum:„Das Bild entstand, als Kokoschka 1919 bis 1923 in Dresden lebte, daher ist dieses Werk für uns besonders wichtig. Darüber hinaus ist dieser Ankauf für uns von historischer Bedeutung: 1937 verlor Dresden die Beschlagnahmungen “entarteter„ Kunst durch die Nationalsozialisten einen großen Teil seiner bedeutenden Sammlung moderner Kunst. Ankäufe vom internationalen Kunstmarkt waren zu DDR-Zeiten kaum möglich und konnten erst nach 1990 langsam beginnen. Gerade in Dresden ist es wichtig, immer wieder auch an die Tradition insbesondere zur Zeit der Weimarer Republik zu erinnern, als die Elbestadt ein wahrer Hotspot moderner Tendenzen war, die auch die Sammlung bis 1937 prägten. Ich danke Reinhard Spieler und dem Sprengel Museum von Herzen für diese Kooperation. Ich bin überzeugt, dass “Shared Ownership„ für deutsche Museen ein Zukunftsmodell ist, denn es geht nicht um den alleinigen Besitz, sondern darum, derart bedeutende Werke für die Öffentlichkeit zu sichern.“