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Dresden bekommt einen Emanuel-Goldberg-Platz

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Die Kreuzung Altenberger Straße / Schandauer Straße in Dresden bekommt einen eigenen Namen. Der Knotenpunkt am Programmkino Ost soll am Sonntag in Emanuel-Goldberg Platz benannt werden, teilte die Stadt mit.

Goldberg war Wissenschaftler an der Technischen Hochschule Dresden und Generaldirektor der Zeiss-Ikon-AG. 1933 musste er wegen seiner jüdischen Herkunft aus Dresden emigrieren.

Ihm zu Ehren soll die Kreuzung künftig seinen Namen tragen. Zur Enthüllung des Straßenschildes gibt es am Sonntag eine kleine Feierstunde mit dem Oberbürgermeister. 

Programm am Sonntag, 18. Mai 2025, um 14 Uhr

Programmkino Ost, Saal Eins, Schandauer Straße 73, 01277 Dresden
-        Begrüßung durch Christian Barth, Stadtbezirksamtsleiter Blasewitz
-        Filmausschnitt aus dem Dokumentarfilm „Die Goldberg-Bedingung. Mehr sehen als man sehen kann“ von Kerstin Stutterheim und Niels Bolbrinker
-        Grußwort von Oberbürgermeister Dirk Hilbert
-        Grußwort (englisch) von Eyal Gichon, Enkel von Emanuel Goldberg
-        Präsentation eines Projektes des CVJM Dresden e. V.

anschließend gegen 14.45 Uhr
Emanuel-Goldberg-Platz, (Straßenkreuzung Altenberger Straße, Schandauer Straße, Bärensteiner Straße), 01277 Dresden
-        Enthüllung des Straßenschildes
-        Besichtigung der Spray-Aktion von SPIKE Dresden e.V. am Emanuel-Goldberg-Platz

Wissenschaftler, Pionier und Visionär

Emanuel Goldberg, geboren 1881 in Moskau, war einer der wichtigsten Wegbereiter der fotografischen und filmischen Medientechnologie. Seine Forschungen zur Bildaufzeichnung und -verarbeitung trugen maßgeblich zur Etablierung von Fotografie und Film als Massenmedien bei. Bereits 1931 entwickelte er eine sogenannte „statistische Maschine“ – ein visionäres Gerät, das als erste Suchmaschine der Welt gilt.

Goldberg entwickelte in Dresden, das zu dieser Zeit als Zentrum des Kamerabaus galt, die legendären Kameras Kinamo und Contax. 1907 übernahm Goldberg in Leipzig eine der ersten deutschen Professuren für Fototechnik. Später leitete er bis 1933 als Generaldirektor die Zeiss Ikon AG in Dresden, das damals größte europäische Unternehmen der Foto- und Filmbranche, dessen Wurzeln unter anderem auf die Internationale Camera Actiengesellschaft ICA mit Sitz an der Schandauer Straße in Dresden zurückgehen.

1921 bis 1933 war er Dozent und Honorarprofessor am Wissenschaftlich-Photografischen Institut der Technischen Hochschule, der heutigen Technischen Universität Dresden. Goldbergs Name und Wirken gerieten nach 1933 weitgehend in Vergessenheit: Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde er 1933 von der SA entführt und ins Exil gezwungen. 1937 emigrierte er nach Palästina. 1970 starb er in Tel Aviv.

Sein Beitrag zur technischen und wissenschaftlichen Entwicklung blieb lange unbeachtet – auch in der Dresdner Stadtgeschichte. Erst mit der Übernahme seines Nachlasses im Jahr 2015 durch die Technischen Sammlungen Dresden konnte sein Leben und Werk umfassend erschlossen werden. Gemeinsam mit Partnerinstitutionen in Leipzig, Berlin und Bournemouth wurden Hunderte Dokumente, Fotografien und Relikte seiner Experimentierwerkstatt für die Forschung zugänglich gemacht.

Die Ausstellung 2017 in den Technischen Sammlungen Dresden „Emanuel Goldberg – Architekt des Wissens“ würdigte sein Schaffen.