Das sind die neuen Pläne für das alte Sachsenbad
Beim ehemaligen Sachsenbad in Dresden-Pieschen wird umgeplant. Das denkmalgeschützte Gebäude soll damit auch deutlich größer werden als bisher. Denn Probleme bei der Statik führen dazu, dass der Investor nicht alle Räume so nutzen kann wie ursprünglich angedacht.
„Die Untersuchungsergebnisse der Gutachter haben uns überrascht“, sagt Andre Powilleit vom Projektentwickler Montis. „Bei vielen Gebäudeteilen ist die Tragfähigkeit nicht gewährleistet, dadurch verlieren wir einen großen Teil der geplanten Nutzungsfläche.“
Anbau soll Fläche ausgleichen
Zum Ausgleich soll deshalb in nördlicher Richtung ein größerer Anbau entstehen. 5.000 Quadratmeter Fläche sind vorgesehen, das benötigte Grundstück will die Stadt dem Investor verkaufen.
„Gemeinsam mit den Denkmalschützern haben wir nach einer Lösung gesucht und uns jetzt auf einen abgestimmten Entwurf für einen Anbau geeinigt", erklärt Powilleit. Für die Erweiterung soll der jetzige kleine Anbau an gleicher Stelle abgerissen werden. Er befindet sich nach Angaben des Investors in einem “bedrohlichen Zustand„ und ist zudem mit Schadstoffen belastet.
In dem Anbau läuft momentan noch ein Block-Heizkraftwerk von Sachsen Energie, das im nächsten Jahr außer Betrieb geht. Künftig könnte das Kraftwerk im Kellergeschoss des neuen Erweiterungsbaus untergebracht werden. Dort soll außerdem eine Tiefgarage entstehen.
Stadtrat entscheidet über Grundstückskauf
Die Arbeiten können allerdings erst starten, wenn der Stadtrat dem Grundstücksverkauf zugestimmt hat. “Das könnte im Herbst passieren„, ist Kerstin Zimmermann vom Amt für Stadtstrategie optimistisch. “Zuvor müssen wir eine entsprechende Beschlussvorlage vorbereiten, die zunächst erst mal im Bauausschuss beraten wird."
Grundsätzlich spricht Zimmermann von einer guten Zusammenarbeit mit Montis. Die Projektentwickler hatten das ehemalige Sachsenbad 2021 für eine Million Euro der Stadt Dresden abgekauft.
Erste Sicherung der Bausubstanz
Der Investor hat inzwischen Notsicherungen auch an dem ehemaligen Bad vorgenommen. So wurden die Glasscheiben des Oberlichts alle herausgenommen. Die Scheiben drohten nach unten zu stürzen.
An dem Nutzungskonzept mit Sport, Wellness und Büroflächen hält Montis fest. Es muss allerdings angepasst werden. „Das Gebäude hat einen einmaligen Charakter,“ schwärmt Andre Powilleit. „Es war ein Meilenstein seiner Zeit, technisch und funktional außergewöhnlich. Durch die Statik-Probleme gehen uns 2.000 Quadratmeter verloren. Mit dem Neubau bekommen wir aber auf fünf Etagen rund 5.000 Quadratmeter dazu.“
Beide Baukörper sollen dann eine Einheit bilden. Eine solche Erweiterung war damals übrigens von den Architekten bereits angedacht.
Wie lange wird das alles dauern?
Auf einen Zeitplan will sich Powilleit nicht festlegen. Bekommt er grünes Licht vom Stadtrat, will er Ende des Jahres zunächst das Dach sanieren und den alten Anbau abreißen. Für die eigentlichen Restaurierungs- und Umbauarbeiten plant sein Unternehmen ungefähr zwei Jahre ein.
Es wird also noch eine Weile dauern, bis die Pieschner wieder in ihr Sachsenbad können, das dann kein Bad mehr ist.
Zur Geschichte des Gebäudes
Das Gebäude wurde in den Jahren 1928/1929 von Paul Wolf erbaut. Im Erdgeschoss befanden sich ein Römisches Bad und ein Dampfbad. Außerdem Massage- und Ruheräume sowie ein 25 Meter langes und 11 Meter breites Schwimmbecken. Von einer Galerie aus konnten Zuschauer Wettkämpfe ansehen. Im zweiten Obergeschoss lagen die Wannen-, Brause- und Kurbäder, im Dachgeschoss ein großer Gymnastiksaal.
Das Bad wurde 1994 geschlossen, weil es saniert werden sollte. Diese Sanierung fand aber nie statt. Auch viele weitere Versuche scheiterten. Das denkmalgeschützte Gebäude ist seitdem dem Verfall preisgegeben. 2021 wurde das Bad für 1,04 Millionen Euro an die Montis Real Estate Berlin GmbH verkauft.