Baut Dresden eine neue Carolabrücke so wie früher?
In Dresden hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die sich für den Wiederaufbau der Carolabrücke nach historischem Vorbild stark macht. Eine beliebige, ortsuntypische Brücke werde Dresden an dieser Stelle nicht gerecht, heißt es von den Initiatoren.
Sie könnten sich zum Beispiel eine Bogenbrücke mit Sandsteinverkleidung vorstellen. Zuerst müsse aber unbedingt eine Behelfsbrücke gebaut werden, um die wichtige Verkehrsader wiederherzustellen.
Generell brauche es für den Wiederaufbau neue Impulse, Weitsicht, Ideen und Engagement, heißt es in dem Aktionsprogramm, das jetzt präsentiert wurde.
Die Initiative fordert für die neue Carolabrücke ein Planfeststellungsverfahren, das straff strukturiert ist und nicht länger als drei Jahre dauern sollte. Die Bauzeit der neuen Carolabrücke sollte sich an der Bauzeit der beiden Vorgänger von 1895 und 1971 orientieren, die jeweils nach drei Jahren freigegeben werden konnten. „Wer billig baut, baut zweimal. Wer Bogenbrücken baut, profitiert von einer fast unbegrenzten Standzeit“, so die Bürgerinitiative.
Ersatzneubau Carolabrücke: Gutachten soll (mehr) Klarheit bringen!
Die Frage nach dem Neubau der Carolabrücke treibt auch die Stadt Dresden um. Ein Rechtsgutachten soll nun mehr Klarheit bringen, vor allem mit Blick auf die gestalterischen Möglichkeiten. Denn: je mehr Änderungen vorgenommen werden, desto länger dauert es, bis eine neue Carolabrücke steht.
Das entsprechende Gutachten wird von einer "im Planungsrecht erfahrene Kanzlei" erstellt, heißt es aus dem Rathaus. Ende Februar werden Ergebnisse erwartet. Im Anschluss erstellt die Verwaltung eine Beschlussvorlage für den Stadtrat. Bevor die Stadt aber weitere Entscheidungen trifft, sind auch die Dresdner eingebunden.
Baubürgermeister Stephan Kühn: „Uns ist klar, dass die Carolabrücke für viele Dresdnerinnen und Dresdner eine wichtige Lebensader ist. Aus diesem Grund arbeiten unsere Experten unter Hochdruck und zugleich mit Umsicht an dem Projekt. Das Rechtsgutachten ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer neuen Brücke. Diese Rahmenbedingungen brauchen Stadtrat und Bürgerschaft, um eine fundierte Entscheidung zu treffen, welche Brücke dort entstehen soll.“
Was beinhaltet das Rechtsgutachten?
Zu den zentralen Themen des Gutachtens gehört die Klärung, ob und in welchem Umfang eine planungsrechtliche Genehmigung bei dem Neubau der Carolabrücke überhaupt erforderlich ist. Dabei geht es unter anderem um Anpassungen im Zuge einer modernen Verkehrs- bzw. ÖPNV-Planung aufgrund geänderter Richtlinien. Auch Veränderungen der Bauwerksgeometrie, wie beispielsweise weitere Brückenpfeiler, sollen rechtlich beleuchtet werden.
Für einen Neubau gibt es drei verschiedene Genehmigungsvarianten. Das Rechtsgutachten soll die Verfahren voneinander abgrenzen und Spielräume aufzeigen.
- Ersatzneubau: Anpassungen sind hier nur in bestimmten Maß möglich. Das Verfahren braucht keine erneute Umweltprüfung und ist die schnellste Art die Brückenverbindung wiederherzustellen.
- Planfeststellungsverfahren: Das reguläre, aber auch längste Verfahren für einen Brückenneubau über die Elbe eröffnet die größten Gestaltungsspielräume. Begrenzt sind diese u.a. durch Belange des Naturschutzes und der Schifffahrt.
- Plangenehmigungsverfahren: Diese Variante ist ähnlich wie das Planfeststellungsverfahren, mit der Ausnahme, dass durch die Zustimmung aller beteiligten Träger öffentlicher Belange eine Beschleunigung des Verfahrens möglich ist. Dadurch sind in der Regel die Gestaltungsspielräume kleiner.
Baubürgermeister Stephan Kühn: „Das Gutachten soll uns nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen aufzeigen. Wir erwarten uns auch Klarheit darüber, wie sich die Carolabrücke zukunftssicher und den Bedürfnissen der Stadtgesellschaft entsprechend gestalten lässt. Das Rechtsgutachten bildet damit die Grundlage für eine fundierte Entscheidung des Stadtrates. Transparenz und die Einbindung der Öffentlichkeit spielen bei diesem Projekt eine wichtige Rolle.“
Wann konkret eine neue Brücke stehen könnte, ist weiterhin unklar. Spätestens 2027 soll der Bau starten.