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Abriss jetzt ganz schnell: „Carola“ hat nur noch ein Bein

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Tag 316 nach dem Einsturz der Carolabrücke - es ist kaum noch was zu sehen!

„Wir haben jetzt die Genehmigung bekommen, auch den letzten Pfeiler abzureißen“, erklärt Grit Ernst vom Straßen- und Tiefbauamt Dresden. Und der wird jetzt von mehreren Baggern gleichzeitig „angeknabbert“ und in seine Einzelteile zerlegt. 

Diese werden dann mit LKWs in eine Recyclinganlage abtransportiert. Ende dieser Woche, spätestens nächste Woche dann, soll von der Brücke über den Fluss dann nichts mehr zu sehen sein. Nur die Brückenrampen bleiben noch stehen, werden gesichert. 

Alter Pfeiler für neue Brücke?

Dabei gab es um den letzten Pfeiler Diskussionen! „Es gab erst Überlegungen, ihn stehen zu lassen. Denn in den Vorgaben für die neue Brücke steht, es können auch alte Brückenteile mit verwendet werden. Das Wasser- und Schifffahrtsamt hätte das auch genehmigt. Da aber die Planer frei entscheiden können sollen, hat man jetzt so entschieden. Es wird abgerissen“, so Ernst. 

In vier bis sechs Wochen, schätzt Ernst, werden auch die Zerkleinerungsarbeiten am Elbufer beendet sein, die letzten Bagger sollen im Oktober abrücken. 

Schifffahrt bald wieder frei

Durch die Baustraße in der Elbe hatte sich der Flussquerschnitt sehr verengt, die Fließgeschwindigkeit der Elbe dadurch erhöht. „Dadurch bilden sich Aushöhlungen im Flussbett. Das Sediment, was dort ausgespült wird, lagert sich im späteren Flussverlauf aber wieder ab und bildet eine Art Insel unter Wasser“, erklärt Ingenieur Jörg Falasch, der die Peilung des Flussbetts vorgenommen hat. 

Heißt: Das Baggerschiff muss erneut anrücken und die zu hohen Stellen im Fluss ebnen und das Material in die „Löcher“ im Flussbett füllen, so dass „eine Wassertiefe von 1,40 m in der Fahrrinne gewährleistet wird“, so Falasch. 

„Wir haben das Ziel, den Fluss bis Mitte August zu beräumen und das schaffen wir auch“, so Grit Ernst. Dann erfolgt noch mal eine letzte Peilung des Untergrundes, nach der dann (hoffentlich) die Wasserstraße wieder für alle Schiffe freigegeben werden kann. 

Terrassenufer folgt im Herbst

Auch der Verkehr soll im Oktober wieder wie früher übers Terrassenufer laufen, so hofft Baubürgermeister Stephan Kühn. Dazu müssen noch Schäden ausgebessert werden, die die schwere Bautechnik beim An- und Abfahren hinterlassen hat. 

Suche nach Planer für Neubau läuft

Im August tagt bereits das neue Carolabrücke-Gremium zum ersten Mal. Ab September soll dann der Auftrag an vier Planer raus gehen, die verschiedene Vorschläge zum Bau der neuen Brücke unterbreiten sollen. Mit Öffentlichkeitsbeteiligung, Genehmigung und Finanzierung wird mit dem Beginn des eigentlichen Neubaus nicht vor 2027 gerechnet.

Abrisskosten unter 18 Millionen Euro

Nachdem der Abriss zuerst ohne Ausschreibung, Vertrag und Auftragssumme an die Firma Hentschke Bau vergeben wurde, gäbe es nun ein offizielles Leistungsverzeichnis der Arbeiten. Die Kosten mit der Abrissfirma seien auf 18 Millionen Euro gedeckelt. „Diese 18 Millionen werden wir nicht ausschöpfen. Definitiv nicht“, sagte Ernst. (mit dpa)

Audio:

Grit Ernst vom Straßen- und Tiefbauamt zum Brückenabriss
Ingenieur Jörg Falasch zum Zustand des Flussbettes