• (c) Fotolia

Wird Dresden die neue Technologiemetropole?

Zuletzt aktualisiert:

Für das Wintersemester 2016/2017 hatten sich laut Statistischem Bundesamt in Deutschland mehr als 207.000 Studenten im Bereich Informatik eingeschrieben. Damit hält der Aufwärtstrend für Gesamtdeutschland – auch wenn an einigen Hochschulen die Zahl der Studienanfänger zurückgeht – an. Vom Run auf IT-Berufe profitiert unter anderem der Hochschulstandort Dresden. Die TU hat auch für das Wintersemester 2017/2018 laut einem Bericht des Magazins „Focus“ einen erneuten Zuwachs bei den Studierenden im Fachbereich Informatik verzeichnen können. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist die Zahl der Studienanfänger in der Informatik um sechs Prozent gestiegen. Besonders stark hat der Anteil bei Studenten aus dem Ausland zugelegt.

Mit insgesamt sechs Instituten, an denen Studenten aus neun Studiengängen unterrichtet und ausgebildet werden, betreibt die TU Dresden eine in die Zukunft gerichtete Lehre. Hierzu trägt auf der einen Seite die Ausstattung der Institute bei. Auf der anderen Seite ist es eine umfangreiche Kooperation mit Unternehmen und IT-Partnern, welche die Qualität der Lehre in Dresden sicherstellen. Konkret arbeitet die TU mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zusammen und unterhält das Forschungsprojekt Smart Systems Hub – enabling IoT. Letzteres fokussiert sich auf das Internet der Dinge und dessen Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis.

Ist Informatik das Studienfach der Zukunft?

Informatik existiert als Studienfach bereits seit den 1960er Jahren – als Informationsverarbeitung/Maschinelle Rechentechnik. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Umfang und die Tiefe der Studienfachinhalte natürlich verändert. Wie die TH München gehört auch die TU Dresden in Bezug auf die Informatik zu den Vorreitern. Schon 1967 wurde Maschinelle Rechentechnik als Studienfach angeboten.

Grundsätzlich geht es bei der Informatik um die:

-    Darstellung

-    Verarbeitung

-    Speicherung

-    Weiterleitung

von Informationen. In der Praxis berührt die Informatik viele Alltagsbereiche, angefangen von offensichtlichen Aspekten wie PC oder Smartphone bis hin zum Bereichen wie der Medizin (Überwachung von Vitalfunktionen bei Operationen) oder der Smart-Home-Technologie.

Entsprechend der Bandbreite verschiedener Einsatzgebiete ist die Informatik inzwischen ein Studienfach, in dem sich Studenten in Dresden sehr umfassend spezialisieren können. Grundsätzlich umfasst das Studium der Informatik Inhalte aus den Bereichen:

-    Angewandte Informatik

-    Theoretische Informatik

-    Technische Informatik.

Die Spezialisierung kann in viele Richtungen erfolgen, da Informationssysteme inzwischen in:

-    Medizin/Biologie

-    Geo- und Naturwissenschaften

-    Ingenieurwissenschaften

-    Medien und Medientechnik usw.

gefragt sind.

Durch die TU Dresden werden neun grundständige Studiengänge (Bachelor of Science) und fünf weiterführende Studiengänge angeboten.

1.    Informatik als grundständiger Studiengang

Abgeschlossen mit einem Bachelor of Science werden im Rahmen des Studiengangs Grundlagen in der Informatik und Mathematik aufgezeigt. Ziel ist es, Studenten die nötigen Fachkenntnisse mit auf den Weg zu geben, um im Bereich des Software-Engineerings, der Informationsverwaltung oder Medienerfassung und –Bearbeitung eingesetzt zu werden. Hierzu gehört, dass Studenten Einblicke in die Funktion technischer Systeme erhalten.

2.    Medieninformatik als grundständiger Studiengang

Ähnlich der Informatik mit einem Bachelor abgeschlossen, richtet das Studienfach Medieninformatik das Augenmerk gerade in den späteren Semestern eher auf die Erfassung, Verarbeitung und Entwicklung von Medien – unter anderem webbezogen. Medieninformatiker werden Kenntnisse vermittelt, die einen starken interdisziplinären Bezug haben.

3.    Informationssystemtechnik

Bei diesem Studienfach handelt es sich um eine Verschmelzung aus Elektrotechnik und Informatik. Entsprechend der Zielsetzung eines interdisziplinären Einsatzes werden Studenten in der Informationssystemtechnik Kenntnisse im Hinblick auf:

o    Automatisierung

o    Technische Systeme

o    Architektur verteilter Systeme

o    Technische Informatik

vermittelt.

Aufgrund der starken Verflechtung der Informatik mit anderen Wissenschaftsgebieten, in denen rechnergestützte Prozesse und Modellierungen eine Rolle spielen, sind an Hochschulen neue Studienangebote entstanden. Ein Beispiel ist das Studienfach Computational Science and Engineering. Hier geht es um eine Verknüpfung von Inhalten aus der Informatik mit Ingenieurwissenschaften (zum Beispiel Maschinenbau und Verfahrenstechnik). Das zunehmende Eindringen der Informatik ist in vielen Wissenschaften bereits seit Jahre zu spüren.

Und überall ergeben sich beeindruckende Möglichkeiten. Ärzte können mithilfe der Informatik Operationen am Computermodell planen oder Physiker suchen mit Hochleistungsrechnern nach Gesetzen, welche das Universum zusammenhalten.

Informationstechnologie im Alltag - einige Beispiele

Informatik – mitunter auch einfach IT abgekürzt – ist im Alltag inzwischen überall präsent. Oder anders: Sobald Informationen rechnergestützt verarbeitet werden, haben Informatiker ihre Hände im Spiel. Beispiele für die Bedeutung der Informatik finden sich überall.

1.    Automatischer Notruf eCall: 2018 sollen Neuwagen in der EU mit der eCall-Funktion ausgerüstet werden. Hierdurch können Autos im Ernstfall die

Notrufzentrale selbst anwählen. Lösen Crashsensoren das System aus, werden automatisch Standortdaten (via GPS ermittelt) an die Notrufzentrale verschickt.

2.    Vitalfunktion-Überwachung im Krankenhaus: Nach der Einlieferung in ein Krankenhaus – egal, ob aufgrund eines Notfalls oder wegen einer geplanten OP – werden die Vitalfunktionen bei Bedarf durchgehend überwacht. Hierfür werden Patienten mit Sensoren verbunden, welche beispielsweise die Sauerstoff-Sättigung oder den Blutdruck kontinuierlich ermitteln. Ärzte können die Daten ausdrucken oder am Monitor abrufen.

3.    Rohstoffexploration mittels GIS: GIS = Geo-Informationssysteme erlauben die Auswertung von Luft- und Satellitenbildern. Diese können mit modernster Technik in einer Weise aufgenommen werden, dass Geo-Informatiker damit quasi unter die Oberfläche blicken – und so eventuell in der Lage sind, neue Lagerstätten für Metalle zu entdecken.

4.    Gesund durch Fitnesstracker: Fitnessarmbänder werden von einer wachsenden Zahl an Breitensportlern und Personen getragen, die gesünder leben wollen. Zu den aufgezeichneten Daten gehören unter anderem Puls, Schrittzahl und Wegstrecke (via GPS ermittelt). Das Zusammenspiel aus Sensor und Prozessor wäre ohne Informatik nicht denkbar.

5.    Smart Home: Der Begriff Smart Home bezieht sich auf eine Vernetzung verschiedener Geräte innerhalb eines Haushalts. In Verbindung damit ist oft auch die Rede vom Internet der Dinge. So lässt sich heute bereits die Heizung mit dem Smartphone steuern – oder das Licht einschalten, noch bevor die Bewohner eigentlich zu Hause sind.

Wie wird sich die Informationstechnologie in Zukunft ändern?

Informatik bzw. Informationstechnologie ist ein Feld, von dem sich über Jahre ein bestimmtes Bild in den Köpfen der breiten Masse festgesetzt hat. Es wird zuerst an Computer, Programmiersprachen und Netzwerke gedacht. In den letzten Jahren hat sich die Informatik bereits sehr stark verändert.

Speziell durch die Miniaturisierung der Hardware sind in der Vergangenheit völlig neue Anwendungen möglich geworden. Eine Entwicklung die nicht abgeschlossen ist. Die angesprochenen Fitnesstracker sind nur ein Beispiel hierfür. Informatik wird auch lange Sich nicht nur mit mehr Leistung auf weniger Raum arbeiten – und damit neue Anwendungsgebiete erreichen können.

Informatik muss in Zukunft auch mit sich verändernden Ansprüchen zurechtkommen. Beim Smart Home geht es letztlich nicht um mehr Komfort – wie die Bedienung der Kaffeemaschine von der Couch aus. Es geht darum, mithilfe der IT Probleme und Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Beispiel Klimawandel: IT-Hardware verbraucht Energie, soll der Gesellschaft auf lange Sicht beim Energiesparen helfen.

Einer der Ansätze ist das Smart Home, mit dem sich Strom und Heizenergie in Zukunft effizienter nutzen lassen. Um die Anforderungen und Zielsetzungen zu erreichen, wird Informatik in den kommenden Jahren noch stärker interdisziplinär ausgerichtet werden. Dies gilt aufgrund der Tatsache, dass immer mehr Prozesse von IT gesteuert werden – Stichwort Industrie 4.0. An diesem Punkt wird Informatik allerdings nicht zum bloßen Werkzeug. Als Teil des Problems wird die Informationstechnologie auch dazu beitragen müssen, die Herausforderungen zu lösen.

Fazit: Informatik bleibt eine Säule der Zukunft

IT-Fachleute bzw. Informatiker gelten auch heute noch gern als „Nerds“. Dabei sollte deren Bedeutung für die Moderne nicht unterschätzt werden. Ohne Informatik wäre ein Arbeiten mit Laptops genauso nicht denkbar wie der heute selbstverständliche Griff zum Smartphone. Und auch in der Medizin wären viele Innovationen, die heute Menschenleben retten, nicht möglich. Untersuchungen im Labor würden nicht Minuten oder Stunden, sondern mitunter Wochen dauern. Undenkbar wäre auch das Thema Smart Home, da es wesentlich auf der Informatik aufbaut. Klar ist, dass Informatik ein Tätigkeitsfeld bleibt, das Zukunft hat. Wohin sich die Informatik im Detail entwickelt, wird man abwarten müssen. Dresden scheint für diese Entwicklung jedoch gut gerüstet zu sein.