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Online Lernportale: Chancen und Herausforderungen

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Internet und Computer bieten mit ihren digitalen Möglichkeiten auch für das Lernen neue Lösungen. Egal ob es um das Aneignen einer Fremdsprache, das Erlernen eines Instruments oder um eine fachliche Weiterbildung in einem ganz bestimmten Bereich geht: Innovative Systeme auf Onlineplattformen oder als App für tragbare Geräte erweitern hier das bisherige Angebot. Hierbei ergeben sich viele neue Chancen, aber auch verschiedene Herausforderungen.

Lernen von zuhause aus, am heimischen Schreibtisch oder gar gemütlich auf dem Sofa? Durch die unterschiedlichen Lernangebote über das Internet ist dies heute in vielen Bereichen möglich geworden. Wer sich weiterbilden möchte, findet inzwischen zu beinahe jedem Themenschwerpunkt etwas Passendes. Einige der Angebote sind dabei kostenlos, andere werden gegen ein gewisses Entgelt zur Verfügung gestellt. Der Lernerfolg hängt dabei in der Regel vor allem von der eigenen Motivation und der Fähigkeit ab, sich neue Inhalte selbst zu erschließen.

Sachsen mit eigener Online-Lernplattform OPAL

Schüler und Studierende von derzeit 22 unterschiedlichen Bildungseinrichtungen haben derzeit Zugang zu den verschiedensten Kursbausteinen des Portals OPAL (Online-Plattform für Akademisches Lehren). Es wird vom BPS Bildungsportal Sachsen zur Verfügung gestellt. Für diese sind die Lerninhalte kostenlos. Über einen Gastzugang kann das Angebot auch von anderen Personen zunächst getestet werden, anschließend ist die Nutzung gegen eine Gebühr möglich. Seit drei Jahren ist das Onlineangebot auch in einer mobilen Version für Smartphones oder Tablets verfügbar.

Auf der Plattform finden sich einerseits Lehrmaterialien in Textform wie sie auch im eigentlichen Präsenzunterricht eingesetzt werden. Andererseits sind hier beispielsweise auch Videomitschnitte vieler Vorlesungen hinterlegt, die sich dann zeit- und ortsunabhängig aufrufen lassen. Das Angebot wird dabei ständig erweitert. So lassen sich etwa Lerngruppen erstellen oder Projekte organisieren und sich über das Portal online austauschen.

Auch für Lehrende bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten, ihre Lehre zu organisieren und Tests zu erstellen. Derzeit dienen die Inhalte der Onlineplattform nur der Erweiterung des gewohnten Unterrichts und sind nicht verpflichtend. Die Umsetzung der Inhalte auf ein digitales Format zum Selbstlernen benötigt viel Zeit. Dennoch wurden auch schon sogenannte E-Klausuren getestet, bei der die Prüfung über die Plattform abgewickelt wird.

Chancen des digitalen Lernens

Durch die digitale Aufbereitung von Wissen kann dies über die vernetzten Strukturen des Internets einem viel größeren Personenkreis zur Verfügung gestellt werden. Vor allem kostenlose Angebote sorgen dabei für die sogenannte „Demokratisierung“ des Wissens. Unabhängig von Vorbildung oder Zugangsmöglichkeiten zu anderen Bildungseinrichtungen stehen diese dann quasi allen zur Verfügung, die einen funktionierenden Internetanschluss haben.

Nicht nur für Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen bietet der Austausch und das Bereitlegen von Schulungsmaterial im Internet einen großen Vorteil: Zwar ist für das Aufbereiten je nach Art der Informationen ein gewisser Aufwand nötig, allerdings ist das Verwalten der digitalen Inhalte dann sehr viel einfacher. Hier können dann Kosten durch eine langfristig weniger komplexe Organisation gespart werden.

Beispielsweise stellen heute bereits einige Fahrschulen ihre Kursinhalte zum theoretischen Teil der Ausbildung online zur Verfügung. Statt der bisherigen Vorbereitung mit den gedruckten Einzelbögen kann dann auch ortsunabhängig per App gebüffelt werden. Auf diese Weise lassen sich die erforderlichen Theoriestunden in einem viel kleineren Zeitfenster absolvieren. Durch die Ergänzung mit dem digitalen Lernsystem kann die Prüfung simuliert und so eine besonders gute Vorbereitung gewährleistet werden. Eine niedrigere Durchfallquote bestätigt dies.

Angebote in allen Bereichen

Das Internet als Medium wird in den unterschiedlichsten Bereichen genutzt um Wissen zugänglich zu machen. So kann jeder etwa auch ein Instrument wie Gitarre erlernen. Dazu gibt es nicht nur Angebote, welche grundlegende Informationen zur Musik wie etwa dem Notenlesen vermitteln. Online-Videos zeigen beispielsweise, wie das Instrument richtig gehalten wird und welche verschiedenen Anschlagstechniken es gibt.  

Dabei können die einzelnen Griffe direkt in der Praxis bei einzelnen Liedern geübt werden oder die Musiklehrer erklären wie die Gitarre gestimmt werden oder das Rhythmusgefühl verbessert werden kann. Auch Apps für die mobile Anwendung sind hier auf dem Markt zu finden. Sie spielen auf Knopfdruck den passenden Akkord vor, zeigen verschiedene Greifvarianten oder unterstützen beim Transponieren eines Songs in eine andere Tonart.

Auch zum Sprachen lernen oder auch nur für das Vokabeltraining können sich unterschiedliche digitale Helfer als sehr nützlich erweisen. Die Sprachlernexpertin Dr. Diana Feick der Universität Wien sieht die Angebote kritisch. Oftmals werden unrealistische Erfolge vorgegaukelt. Dieser hängt vor allem davon ab, auf welche Weise die neue Sprache dabei erlernt wird. Einige der Apps beschränken sich auf das Aneignen eines grundlegenden Wortschatzes und der Theorie zur jeweiligen Grammatik. Richtige Aussprache oder das Bilden eigener Sätze kommt oft zu kurz.

Anwendungen wie babbel oder Busuu bieten eine Überprüfung der Aussprache entweder computergestützt oder auch durch eine Chatfunktion mit Muttersprachlern. „Wenn mehrere Kanäle gleichzeitig stimuliert werden, verankert sich der Wortschatz besser im Gehirn“, so Dr. Feick. Ausschlaggebend ist auch der jeweilige Lerntyp.

Vorteile der digitalen Lernangebote

Für den Erfolg ist also unter anderem die Aufmachung des Lernangebots entscheidend. Je nachdem, wie einfach es fällt, sich die Lerninhalte selbst zu erschließen, können Apps und Onlinekurse Wissen vermitteln. Dabei kann von verschiedenen Vorteilen profitiert werden:

•    Die Informationen stehen in der Regel orts- und zeitunabhängig zur Verfügung.

•    Da mit den Lernangeboten ein größerer Personenkreis erreicht werden kann ist es möglich, diese zu einem günstigeren Preis anzubieten.

•    Ein modularer Aufbau ermöglicht es, sich genau die Punkte herauszupicken, für die ein Bedarf besteht. Auf diese Weise sind oft auch interdisziplinäre Verknüpfungen möglich.

•    Die Inhalte können beliebig wiederholt und es kann nach dem eigenen Tempo gelernt werden.

•    Oftmals gibt es über eine Chat-Funktion die Möglichkeit sich mit anderen Kursteilnehmern auszutauschen oder sich im Zweifelsfall direkt an eine Fachkraft oder einen Dozenten zu wenden. So können auch Rückfragen beantwortet werden.

•    Lerninhalte können mit Hilfe der unterschiedlichsten Medien (Bild, Text, Ton) aufbereitet und durch verschiedene Techniken auch interaktiv gestaltet werden. Die Abwechslung unterstützt den Lernerfolg und kommt den verschiedensten Lerntypen zu gute.   

•    Für einige Unternehmen ist die Methode eines Lernangebots über digitale Plattformen eine günstige Möglichkeit, Fachwissen über eigene Produkte zugänglich zu machen. So kann beispielsweise der Umgang mit eigenen Software-Lösungen oder Kenntnisse zu Neuheiten geschult werden.

•    Die Struktur der Lernplattformen ermöglicht meist auch zusätzliche Angebote wie eine Organisationsumgebung für eigene Lerninhalte oder den Austausch und das gemeinsame Lernen und Arbeiten mit anderen.

Herausforderungen des E-Learnings

Wer darauf angewiesen ist, sich neues Wissen und neue Kenntnisse ausschließlich im Selbststudium anzueignen, benötigt vor allem eines: Viel Disziplin, Durchhaltevermögen und eine hohe Motivation.

Wenn eine passende Betreuung fehlt, wird es schwierig weiterzukommen, wenn etwas unklar ist. Viele tun sich schwer damit, wenn kein Ansprechpartner zur Verfügung steht. Sich neue Inhalte selbst zu erschließen liegt ebenfalls nicht jedem, beziehungsweise wurde jahrzehntelang in unserem Schulsystem nicht unbedingt gefördert. Manche tun sich bereits schwer damit, aus einem riesigen Angebot das passende für sich auszuwählen. Vor allem bei kostenlosen Plattformen ist es schwierig, im Vorfeld die Qualität der Lernkurse oder Anwendungen zu beurteilen.

Eine Schlüsselrolle kommt der didaktischen Aufbereitung der Angebote zu. Derselbe Lerninhalt kann auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichen Medien oder Formaten bereitgestellt werden, je nach Zielgruppe oder Altersstufe und Vorbildung. Hier gibt es viele innovative Möglichkeiten, die jedoch auch mit entsprechenden Kosten verbunden sind.

Blick in die Zukunft

Als umfangreiche Erweiterung zum bisherigen Lehrkonzept leisten die digitalen Lösungen bereits jetzt einen wichtigen Beitrag. In vielen Bereichen werden sie in der jetzigen Form jedoch den klassischen Unterricht mit einem Lehrer nicht ersetzen können.

Dabei ist klar, dass sich unser Bildungssystem stark verändert. Online-Kurse könnten beispielsweise dazu dienen, Grundlagenwissen zu vermitteln, welches sich leicht selbst aneignen lässt. Auf diese Weise werden die Lehrer entlastet und können sich umfassender um die Betreuung anderer Schwerpunkte kümmern. Dem akuten Lehrermangel wird derzeit entgegengewirkt, indem beispielsweise auch viele Quereinsteiger eingestellt werden. Oftmals wird der Unterricht dann praxisorientierter, weil die Fachkräfte aus den verschiedensten Berufsfeldern kommen.